The Windmill Massacre (NL 2016)

Die Niederlande sind nicht zwingend für beinharte Horrorkost bekannt. Sicher, es gab das Wirken Dick Maas’ („Fahrstuhl des Grauens“), exotisch erscheint Genre-Kost aus dem Land der Tulpen und Grachten dennoch. Im Falle von „The Windmill Massacre“ macht jedoch gerade das den Reiz aus. Im Hinterland lauernde Killer gibt es in den USA, Australien oder auch England bereits zur Genüge. Nur ist hier kein mordlüsterner Provinzschrat am Werk, sondern eine übernatürliche Schreckgestalt, ein einst vom wütenden Mob gerichteter mörderischer Müller, der als Torwächter der Hölle verfehlte Seelen einsammelt. Und wo fände man die besser als in einem klapprigen Touristenbus?

Der startet von Amsterdam aus zu einer Tour ins Nirgendwo. Auch das mag es in einem Land geben, dass in etwa die Größe von Niedersachsen aufweist und dabei rund 17 Millionen Einwohner zählt. Neben der sympathischen Variierung bewährter Settings fallen die professionelle Machart und die durchaus bekannte Besetzung ins Auge. Die fährt Charlotte Beaumont („Broadchurch“), Patrick Baladi („The Office“), Ben Batt („Shameless“), Fiona Hampton („Kingsman: The Secret Service“) und Noah Taylor („Submarine“) auf, deren holzschnittartigen Figuren eilig umrissen werden. Doch eines eint die Touristengruppe: Jeder einzelne hütet ein düsteres Geheimnis.

Der Blickwinkel ist der von Jennifer (Beaumont), einer Australierin, die nach einer familiären Tragödie unter falschem Namen in Europa untergetaucht ist. Als ihre Identität auffliegt, landet sie auf ihrer Flucht in besagtem Ausflugsgefährt. Der gesellige Fahrer Abe (Bart Klever, „Cop vs. Killer“) heißt die grundverschiedenen Passagiere – darunter ein britischer Geschäftsmann (Baladi) auf Versöhnungstour mit seinem Sohn, ein japanischer Student mit spiritueller Ader (Tanroh Ishida, „47 Ronin“) und ein traumatisierter Soldat (Batt) – willkommen und strandet mit Motorschaden ausgerechnet in der Nähe jener Mühle, die dem monströsen, Sense und Haken schwingenden Müller im „Jeepers Creepers“-Modus als Wirkungsstätte dient.

Die ersten Beine sind bei der nächtlichen Erkundung schnell vom Körper getrennt. Dumm nur, dass als einzige Zeugin Jennifer dient, deren Schilderungen als Manie abgetan werden. Aber auch der Rest der seelisch belasteten Urlauber wird bald von alptraumhaften Rekapitulationen ihrer individuellen Verfehlungen heimgesucht. Originell ist das keineswegs, erzählerisch auf klassischen Slasher-Pfaden eher reichlich abgestanden. Doch Nick Jongerius‘ (Produzent von „Frankenstein’s Army“) zwischen „Tales From the Crypt“ und „Supernatural“ angesiedeltes Schauerstück mit erbaulich fiesem Ausklang hält durch dosierte Blutschocks und das ansprechende Personal brauchbar bei Laune. Auf der Landkarte des Backwood-Horrors dürfen die Niederlande zukünftig also nicht ausgespart bleiben.

Wertung: (5 / 10)

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