The Foreigner (GB/CN/USA 2017)

In London detoniert eine Bombe. Menschen sterben, das Land ist erschüttert. Die Bekenner kommen aus dem Umfeld der IRA. Die Sorge ist groß, die nordirischen Paramilitärs könnten den bewaffneten Widerstand erneut aufnehmen. Den alternden Restaurantbetreiber Quan Ngoc Minh (Jackie Chan, „Rumble in the Bronx“) treibt eine andere Frage um: Welche Personen stecken hinter dem Terrorakt? Denn unter den Opfern ist seine Tochter. Der Verlust wiegt umso schwerer, da die übrigen Familienmitglieder bei der Jahrzehnte zuvor vollzogenen Flucht aus Vietnam ums Leben kamen. Doch Quan hat nicht allein den Willen, sondern auch die Mittel, um die Hintermänner aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Martial-Arts-Ikone Jackie Chan in einer ernsten Rolle? Im Herbst seiner Karriere erscheint das kaum mehr ungewöhnlich – man beachte Werke wie „Stadt der Gewalt“ (2009) oder „Police Story: Back for Law“ (2013). Doch mit dem auch von ihm produzierten Thriller „The Foreigner“ betritt der alternde Kampfkünstler merklich ungewohntes Terrain und nimmt das Gesetz als rüstiger Vigilant in die eigenen Hände. Damit nicht genug, wird die britisch-chinesisch-amerikanische Koproduktion von weiteren klangvollen Namen veredelt: Als Chans Widerpart tritt Pierce Brosnan in Erscheinung, der mit dem für die Regie verpflichteten Martin Campbell bereits beim James-Bond-Abenteuer „GoldenEye“ (1995) zusammengearbeitet hatte.

Brosnan ist Brian Hennessy, selbst ehemaliger IRA-Aktivist, nun Stellvertretender Erster Minister Nordirlands. Von ihm glaubt Quan in Erfahrung bringen zu können, wer hinter dem feigen Anschlag steckt. Da eine zufriedenstellende Antwort ausbleibt, macht er sich nach Belfast auf und verdeutlicht rasch, dass er bis zum Äußersten bereit ist. Dass Quan ein einst vom US-Militär ausgebildeter Elitekämpfer ist, enthüllt die Verfilmung des Romans „The Chinaman“ von Stephen Leather („Murder in Mind“) erst, als sich der Zuschauer ob der Fähigkeiten des unscheinbaren Asiaten bereits verwundert die Augen reibt. Bombenbau? Nahkampf? Kein Problem. Chan jedenfalls ist auch mit (seinerzeit) 63 Jahren noch erstaunlich agil. Nur vermöbelt er seine Gegenüber naturgemäß nicht mehr ganz so behände wie früher.

Es gibt nicht viel, was „The Foreigner“ der Gewöhnlichkeit des actionbetonten Thriller-Kinos entreißt. Mit konventioneller Routine spitzt Campbell den Konflikt zwischen den wirkungsvoll gegen ihr jeweiliges Image besetzten Chan und Brosnan zu. Dazu pflegt er dosiert kernigen Körper- und Schusswaffeneinsatz ein und lässt Brosnans aalglatten Ex-Radikalen hinter den Kulissen mit Frau (Orla Brady, „Into the Badlands“), Neffen (Rory Fleck Byrne, „Harlots“) und rechter Hand (Michael McElhatton, „Game of Thrones) um die zukünftige Ausrichtung der IRA streiten. Überraschungen hält der moralisch ambivalente Streifen nicht bereit; immerhin die im militanten UK-Freiheitskampf verortete Geschichte sorgt für eine gewisse Abwechslung. Für Freunde von Stars und Genre bietet „The Foreigner“ fraglos grundsolide Unterhaltung.

Wertung: (6 / 10)

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