The Quest (USA 1996)

the-questBei seinem Regiedebüt „The Quest“ wollte Jean-Claude Van Damme alles richtig machen. Die Story sollte episch angehaucht werden, die exotischen Schauplätze Fernweh wecken und die spektakuläre Action ein Massenpublikum erfreuen. Wirklich aufgegangen ist das Konzept nicht. Zwar ist die Inszenierung nicht schlecht, die Ausstattung aufwändig und die Darsteller mitunter namhaft, doch fehlt es dem Film schlicht an Originalität. Pubertierenden Jugendlichen mag diese Art der trivialen Unterhaltung ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, dem geneigten Genrekenner wird diese Mixtur jedoch zu abgegriffen erscheinen.

Im Amerika der Neunzehnzwanziger sorgt der Straßenakrobat Chris Du Bois (Van Damme) durch Gaunereien für seinen Lebensunterhalt. Als er mit einigen Waisenkindern Geld von einem mächtigen Gangster stiehlt, bleibt ihm nur die Flucht. Als blinder Passagier landet Chris in Thailand, wo er die Bekanntschaft des Gentleman-Ganoven Edgar Dobbs (Roger Moore, „Boat Trip“) macht. Allerdings verkauft dieser den Findling an den Martial-Arts-Lehrmeister Khao (Aki Aleong, „Braddock – Missing in Action 3“), der Chris in die Künste des Muay Thai einführt. Über Umwege gelangt er ins Gefolge des amerikanischen Boxchampions Maxie Devine (James Remar, „Blade: Trinity“), der zu einem internationalen Kampfsportturnier in Tibet eingeladen wurde. Als Maxie realisiert, dass er Chris’ Fähigkeiten weit unterlegen ist, lässt er sich ihn an seiner Statt mit den besten Kämpfern der Welt messen.

Der Kern von „The Quest“ liegt in den Martial-Arts-Duellen der zweiten Hälfte. Bedauerlicherweise versucht Jean-Claude Van Damme in der deutlich zu langen Einleitung eine fesselnde Geschichte um dieses Zentrum zu kleiden. Dabei entgleiten dem Regiedebütanten ein ums andere Mal die Zügel. Van Damme will zu viel und übernimmt sich entsprechend. Neben den amüsanten Episoden um Ex-James Bond Roger Moore stehen sich die Erzählstränge um Van Damme, James Remar und Janet Gunn („The Sweeper“) als weibliche Mitgift gegenseitig im Wege. Obwohl die Story versucht all diese Nebenplots schnell zusammenzuführen, nimmt deren Abhandlung allein die Hälfte der Spielzeit in Beschlag.

Wie schon „Bloodsport“ wurde auch „The Quest“ von den Erfahrungen des weltenbummelnden Kampfsportlers Frank Dux inspiriert. Abgesehen von den Abenteuersequenzen ist Van Dammes Film denn auch kaum mehr als eine Neuauflage seines Durchbruchs von 1988. Nach Vorstellung der zum Teil haarsträubend klischeebewachsenen Opponenten fliegen dann endlich die Fäuste. Die Choreographie der meist sehr kurz geratenen Kämpfe ist gelungen, bietet im Gegenzug allerdings keinerlei Neuerung. Allzu schematisch kaut Van Damme die Dramaturgie von „Bloodsport“ wider. Der kantige Mongolenfiesling Khan (Abdel Qissi, „Leon“) entpuppt sich dabei schnell als Chris’ finaler Gegner. Auf dem Weg dahin darf der konturlose Hüne wie einst Bolo Yeung einen seiner Gegner auf der Matte töten.

Mehr als seine eingefleischten Fans konnte Jean-Claude Van Damme mit „The Quest“ nicht zufrieden stellen. Altbackene Elemente aus Abenteuer- und Kampfsportfilm werden unterhaltsam und meist familienfreundlich aufbereitet, entbehren im Gegenzug aber narrativer Klasse und innerer Ausgewogenheit. Das deutliche Ungleichgewicht zwischen dem umständlichen Weg zum Turnier und den Kämpfen selbst konterkariert Van Dammes Intention eines beständigen Filmes. Mit „Kumite“ will er es derzeit noch einmal versuchen. Ob es gelingt, darf bezweifelt werden.

Wertung: (4 / 10)

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