The Promise – Die Erinnerung bleibt (USA 2016)

„Our revenge will be to survive.“ – Ana

Früher, in der goldenen Ära von Hollywoods Studiosystem, richteten sich die opulenten Liebes-Dramen bevorzugt an bedeutenden historischen Ereignissen aus. Dieser Tradition folgen im neuen Jahrtausend nur noch wenige Filme. Die Versuche der Modernisierung, solche wie „Pearl Harbor“ (2001) oder „Shanghai“ (2010), scheitern meist an der gesteigerten narrativen Trivialität. Mit „The Promise“ wollte „Hotel Ruanda“-Regisseur Terry George einen anderen Weg beschreiten. Seine in tragische Zeiten gebettete Dreiecksgeschichte orientiert sich eher an Klassikern wie „Doktor Schiwago“ (1965) – oder auch „Der englische Patient“ (1996). Das bedeutet große Gefühle und politische Zerrissenheit. Nur wirken beide Elemente ungelenk miteinander verbunden.

Die Ambition ehrt den auch als Co-Autor in Erscheinung tretenden George. Denn er will den in der Hauptsache zwischen 1915 und 1916 stattgefundenen Genozid der Türken an den Armeniern in einem wuchtigen Filmwerk zum Mahnmal erheben. Das birgt Zündstoff, immerhin leugnet die türkische Regierung den Völkermord, dem bis zu 1.5 Millionen Armenier zum Opfer gefallen sein sollen, bis heute. Die Realisierung des aufwändigen Werkes verschlang rund 90 Millionen Dollar. Die wurden maßgeblich vom 2015 verstorbenen Milliardär und Ex-MGM-Eigner Kirk Kerkorian, selbst armenischer Abstammung, bereitgestellt. Er wollte den Stoff seit Jahrzehnten verfilmen. Trotz prominenter Fürsprecher wie Leonardo DiCaprio und George Clooney spielte das aufwändig gestaltete Melodram bislang jedoch nicht einmal ein Zehntel seiner Kosten wieder ein.

Ausgangspunkt der Erzählung ist Mikael Boghosian (Oscar Isaac, „Inside Llewyn Davis“). 1914 reist er aus dem ländlichen Süden der Türkei nach Konstantinopel, um dort Medizin zu studieren. Finanziert wird die Ausbildung durch die Mitgift seines zukünftigen Schwiegervaters, dessen Tochter er nach seiner Rückkehr ehelichen soll. Doch es kommt anders. Emotional und weltgeschichtlich. Für den Gefühlsreigen sorgt Ana (Charlotte Le Bon, „The Walk“), wie Mikael der armenischen Bevölkerungsgruppe zugehörig. Nur ist sie mit dem US-amerikanischen Journalisten Chris Myers (Christian Bale, „American Hustle“) liiert, der aus seiner Abneigung gegen die Kollaboration der Türken mit den Deutschen keinen Hehl macht. Da kommt die politische Komponente zum Tragen. Denn als sich die Türkei im Ersten Weltkrieg an die Seite der Mittelmächte stellt, entlädt sich der Hass auf die armenische Minderheit in Pogromen, Vertreibungen und Massenmorden.

Selbst wenn der sporadische Einsatz von Green Screens dezent artifiziell anmutet, so beeindruckt die bisweilen pompöse Gestaltung von Sets und Kostümen doch fraglos. Nur der Plot kann da nicht mithalten. Das anfangs elegische Erzähltempo weicht zusehends einer kapitelhaften Abhandlung dramaturgischer Zuspitzungen: Mikael landet im Arbeitslager und verliert die ihm nahe gekommene Ana über Flucht und Rückzug aus den Augen. Sie wiederum will mit Chris, der Zeuge der systematischen Vertreibung und Ermordung wird, Waisenkinder außer Landes in Sicherheit zu bringen. Das wirkt nicht selten wie die gestraffte Breitwandversion eines monumentalen Romans. Die Darstellung der Gräuel wirkt eindringlich und aufrüttelnd, die seltsam flüchtig darum drapierte Liebesgeschichte jedoch deplatziert und obendrein emotional wenig berührend.

Dazu tragen auch die in Teilen wenig ausgearbeiteten Figuren bei. Während der sehenswerte Oscar Isaac noch am meisten Raum zur plastischen Entfaltung erhält, verkommt Oscar-Preisträger Christian Bale zum eindimensionalen Identifikationsanker für das US-Publikum. Als amouröses Bindeglied macht Charlotte Le Bon zwar eine gute Figur, bleibt dabei aber ebenso der eher konventionellen, am Ende absehbar tragischen Erzählung unterworfen. Die kann auch vom fast verschwenderischen Umgang mit prominenten Randakteuren nicht profitieren, darunter Marwan Kenzari („Ben Hur“), Tom Hollander („The Night Manager“), James Cromwell („The Artist“), Jean Reno („Leon, der Profi“) und Rade Serbedzija („In the Land of Blood and Honey“). So ehrbar das Ziel, so durchwachsen die Wirkung: An die großen Vorbilder reicht das zusehends flache und schlussendlich unnötig pathetische Historien-Drama bestenfalls peripher heran.

Wertung: (5 / 10)

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