The Onion Movie (USA 2008)

the-onion-movie„I don’t think you have the balls.“ – Der gefürchtete ´Cock Puncher´ zielt auch verbal unter die Gürtellinie

Seit 1988 ist The Onion ´America’s Finest News Source´. Die Satire-Zeitung (später auch als Web-Angebot eingeführt) bedient sich des klassischen Tabloid-Formats und verbreitet Nachrichten-Nonsens zu aktuellen politischen und kulturellen Strömungen unter dem Deckmantel des seriösen Journalismus. Wie die Vergangenheit (u.a. durch die Übernahme von Meldungen durch Reuters oder Fox News) zeigte, vereinzelt sogar mit akuter Verwechslungsgefahr. 2003 wagten sich der damalige Chefredakteur Robert Siegel und Autor Todd Hanson an einen Film mit dem Arbeitstitel „The Untitled Onion Movie“.

Doch das Projekt stand unter keinem guten Stern und neben den beiden Regisseuren sprang auch Siegel bald ab. Erst drei Jahre später wurde die episodische Farce von James Kleiner vollendet. Allerdings dauerte es bis 2008, ehe das nun „The Onion Movie“ (in Deutschland wurde daraus schlicht „News Movie“) betitelte Werk seine Erstveröffentlichung als DVD-Premiere feierte. Einen zusammenhängenden Plot gibt es nicht. Für eine lose Verbindung der grotesken Sketche, Werbefilme und Beiträge sorgt Nachrichtensprecher Norm Archer (Len Cariou, „About Schmidt“), der seine Integrität in der Übernahme des Senders durch einen Großkonzern gefährdet sieht.

Dieser fordert, dass die Berichterstattung über wichtige außenpolitische Entwicklungen der Bewerbung des neuen Steven Seagal-Actionfilms „Cock Puncher“ (der Name ist Programm!) untergeordnet werden soll. Seagal, der im irrwitzigen Fake-Trailer den wohl denkwürdigsten Auftritt seiner gesamten Karriere absolviert, nimmt sich selbst mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit aufs Korn. Im Finale darf er es gar mit islamischen Terroristen aufnehmen, die das Nachrichtenstudio besetzen und ihre Intimbereiche mit Tellerminen schützen. Vom Militär abgelehnt, wurden die Sprengsätze zuvor in einer Werbekampagne als Allheilmittel gegen Schädlinge und Unkraut im Garten gepriesen.

Die Vielzahl oft verschwindend kurzer Gags über Völkerstereotypen, Fettleibigkeit oder den ganz alltäglichen Wahnsinn kann unmöglich in wenigen Worten zusammengefasst werden. Daher sei lediglich auf den im Bankwesen mit Strumpfmaske und Revolver Karriere machenden Armed Gunman (Terrence Flack) und Britney Spears-Parodie Melissa Cherry (Sarah McElligott) verwiesen, die als bigottes Landei nicht verstehen kann, wie man ihren Songs (u.a. „Take Me From Behind“) oder den dazu gehörigen Videoclips Sexismus unterstellen kann. Niveauvoll ist die Quasi-Aufbereitung des „Kentucky Fried Movie“ keineswegs. Gerade das aber macht die politisch meist völlig unkorrekte Satire so großartig. Und das immer und immer wieder.

Wertung: (8 / 10)

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