The Lone Ranger (USA 2013)

loneranger2013 ist das Jahr der „Flopbuster“. Große Namen und noch größere Budgets reichen einfach nicht mehr aus, um das Publikum in die Kinos zu locken. Nach „Jack the Giant Slayer“ und „After Earth“ ereilte das überraschende Schicksal des (relativen) Kassengifts auch „The Lone Ranger“. Dabei hätte die altbekannte Erfolgsformel doch eigentlich aufgehen müssen, schließlich nahm sich das Team hinter „Fluch der Karibik“, respektive Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Gore Verbinski, der populären Hörspiel-Reihe aus den Neunzehndreißigern an.

Dass große Leinwandspektakel aber keine Selbstläufer sind, verdeutlicht Superstar Johnny Depp, der hier nur allzu offenkundig an seine Performance des Piraten Jack Sparrow anknüpfen soll. Durchweg funktionieren will das nicht, allein schon, weil Depp als skurriler indianischer Sidekick des Helden ein erkennbar kalkuliertes Zuschauerlockmittel darstellt. Als Tonto trägt er nicht nur dauernde – dem Bild „I am Crow“ nachempfundene – Kriegsbemalung im Gesicht, sondern auch einen toten Vogel auf dem Kopf. Das reicht für schrullige Spitzen, ist wie der Film als Ganzes aber schlicht überfrachtet.

Die ins Jahr 1933 blickende Rahmenhandlung, in der ein greis maskierter Johnny Depp einem Knaben im Museum einer Wildwest-Show die Geschichte des Lone Ranger erzählt, unterstreicht die Ambition des epochalen Anspruchs. Der Einstieg aber kostet Zeit, was die ohnehin nicht gerade knapp gehaltene Heldenwerdung des mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn ausgestatteten Rechtsgelehrten John Reid (Armie Hammer, „J. Edgar“) nur weiter dehnt. Auf dem Weg in die Heimat gerät dieser in die Befreiungsaktion des gefürchteten Banditen Butch Cavendish (mit guter Maske: William Fichtner, „Prison Break“) und verhindert, dass Tonto diesen kaltblütig erschießt.

Eine spektakuläre Zugentgleisung später macht sich Johns Bruder, Marshall Dan (James Badge Dale, „Iron Man 3“), mit ihm und einer Gruppe freiwilliger auf die Suche nach Cavendish. Den Hinterhalt der Outlaws überlebt einzig John, der von Tonto in der Wüste gefunden und – nach Überzeugungsarbeit durch sein schlaues Pferd – zum totgeglaubten Rächer stilisiert wird. Die folgende Vereitelung schurkischer Pläne – Tom Wilkinson („Michael Clayton“) ist als Eisenbahnunternehmer Latham Cole nur zu offensichtlich deren Drahtzieher – besteht aus einer recht losen Verklebung von Motiven des Buddy Movies, überdrehten Actionszenen und halbherziger Kritik am Indianer-Genozid.

Den richtigen Ton trifft Verbinski nur selten, wenn er Klamauk neben Grausamkeit stellt und Tontos Antrieb an die Ermordung seines Stammes durch Cavendish knüpft. Auch die Auftritte von Helena Bonham Carter („Harry Potter“) als wehrhafte Puffmutter und „Luther“-Star Ruth Wilson als Love Interest des Helden bleiben eher konventionell erforderlich als wirklich gewinnbringend. Trotz aller offensichtlichen Schwächen kommt „Lone Ranger“ seinem Zweck als Unterhaltungsvehikel aber souverän nach. Und die finale Zugverfolgung mit Anklängen bei Buster Keatons „The General“ ist schlicht bombastischer Irrwitz. Es bleibt flüchtiges Vergnügen ohne Nachklang.

Wertung: (5 / 10)

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