Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 (USA 2006)

fluch-der-karibik-2Drei lange Jahre ist es her, da bewies uns Produzent Jerry Bruckheimer, dass er auch anders kann als „Armageddon“ oder „Bad Boys“. Mit „Fluch der Karibik“ stellte Hollywoods unbestritten größter Impressario klar, wie viel Spaß reines Popcornkino machen kann, wenn man einen gut gelaunten Johnny Depp mit Kajalstrich, zwei fantastisch aussehende Jungstars und jede Menge Special Effects der Güteklasse A mit einem Drehbuch mischt, das sich selbst kein Stück ernst nimmt. Klar, dass so eine Offenbarung des Unterhaltungskinos (mindestens) eine Fortsetzung nach sich ziehen würde.

Es sollte der schönste Tag im Leben von Elizabeth Swann (Keira Knightley, „Domino“) und Will Turner (Orlando Bloom, „Der Herr der Ringe“-Trilogie) werden. Doch aus der bevorstehenden Hochzeit der beiden wird erstmals nichts. Denn der Offizier Cutler Beckett (Tom Hollander, „Gosford Park“) lässt die beiden wegen ihrer Zusammenarbeit mit Captain Jack Sparrow (Johnny Depp, „Fear and Loathing in Las Vegas“) verhaften und zum Tode verurteilen. Doch Beckett geht es nicht um das junge Paar, er will Jack Sparrows Kompass. Also bietet er Will einen Handel an: Wenn dieser ihm den Richtungszeiger bringt, will er Elizabeth freilassen. Will macht sich also auf, Captain Jack zu suchen.

Der hat derweil jedoch andere Probleme. Er steht in lebenslanger Schuld beim Kapitän des Flying Dutchman, Davy Jones (Bill Nighy, „Per Anhalter durch die Galaxis“) und will diese naturgemäß nicht begleichen. Jones besteht allerdings auf Erfüllung des Vertrags, der Jack zum Sklaven auf seinem Schiff machen soll und jagt ihn mit Hilfe eines seinem Befehl folgenden Ungeheuers quer durch die Südsee. „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“ macht genau da weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Hier knallt und scheppert es gewaltig vor lauter Pyrotechnik und Special Effects. Ob Seeschlachten mit berstenden Schiffen, gewaltige Ungeheuer, Kneipenschlägereien oder minutenlange Säbelduelle – hier wird alles, was Jungs Spaß macht in nicht geringer Menge und perfektionistischer Qualität geliefert. Und für die Damen der Schöpfung hat Johnny Depp erneut den Eyeliner aufgetragen und Orlando Bloom sich die Frisur zerzaust. Kurzum: Es handelt sich hier um ein Stück Popcornkino, dem nicht viel zur Perfektion fehlt.

Das ist natürlich auch dem Drehbuch geschuldet, das sich dem Spektakel gar nicht erst durch zu viel Handlung in den Weg stellen will. Wieso auch? Wer Dialoge mit Tiefgang sehen will, der soll „Citizen Kane“ anschauen. „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“ ist dafür einfach nicht gemacht. Hier geht es um zweieinhalb Stunden unproduktiven Fun – und selten hat ein Film sich so ehrlich diesem Credo verschrieben wie dieser. Dass der Streifen nicht zu einer seelenlosen Effektorgie verkommt, wie es ja so oft passiert, wird auch von den erneut äußert gut gelaunten Darstellern verhindert. Mehr noch als im ersten Teil spielt sich hier Orlando Bloom in den Vordergrund und sorgt dafür, dass es sich im zweiten Teil der Serie nicht mehr nur um die reine Johnny Depp-Show handelt. Ihm zuzuschauen hat seit der „Herr der Ringe“-Trilogie nicht mehr so viel Spaß gemacht.

Doch auch Johnny Depp weiß noch, wie man Captain Jack Sparrow spielen muss, um Millionen von Kinogängern glücklich zu machen. Keira Knightley, in der ersten Hälfte ein bisschen zum schmückenden Beiwerk degradiert, holt in Hälfte zwei allerdings wieder das Mögliche aus ihrer Rolle heraus und komplettiert so das Traumtrio aus Teil eins. Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt allerdings. Es ist natürlich nicht so, als wäre Bill Nighy ein schlechter Schaupieler. Aber Geoffrey Rush war als Barbossa im ersten Teil schlicht und ergreifend der perfekte Gegenpart zu Johnny Depps Jack Sparrow. Sicher hat auch Davy Jones jede Menge unterhaltsamer und herrlich sadistischer Momente, an Barbossa kommt dieser Bösewicht aber einfach nicht heran.

Doch auch dieses Problem kann man als gelöst betrachten. Denn durch sein „Das Imperium Schlägt Zurück“-eskes Cliffhanger-Ende deutet „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“ schon mehr als nur an, dass wir uns im für nächstes Jahr angekündigten dritten Teil auf eine Dreieckskonstellation Sparrow-Barbossa-Jones freuen können – und was soll da dann noch schief gehen? „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“ ist ein nahezu perfekter Unterhaltungsfilm, der die Stärken des ersten Teils konsequent beibehält und sich keine markanten Schnitzer leistet. Zeit also, für 150 Minuten in die Südsee aufzubrechen.

Wertung: (8 / 10)

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