Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik (USA 2003)

fluch-der-karibikDas Genre des Piratenfilms ist schon vor langer Zeit auf Grund gelaufen. Seine Blütephase reichte von den frühen 30ern bis in die späten 50er Jahre und brachte unsterbliche Helden und Schurken wie Errol Flynn, Douglas Fairbanks, Burt Lancaster, Orson Welles oder Charles Laughton hervor. Im Laufe der Jahre wurde es durch vereinzelte klägliche Versuche einer Renaissance beinahe endgültig über die Planke ins tiefschwarze Meer der Vergessenheit gesandt. Denn sowohl Roman Polanskis einfallsloser Kinoflop „Piraten“ (1986) als auch Renny Harlins hochbudgetierter Kommerz-Supergau „Die Piratenbraut“ (1995) erwiesen sich in der Gunst des Publikums als vollkommen indiskutabel.

Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer („Armageddon“, „Pearl Harbor“) wagt mit „Fluch der Karibik“ nun den wohlkalkulierten Versuch, die angestaubten Inhalte jener Filmgattung in Verbindung mit zeitgemäßer Aufmachung, Fantasy-Elementen und einer gehörigen Portion Selbstironie auf eine höhere Ebene des Unterhaltungskinos zu transferieren. Im Zentrum der Geschichte steht der gestrauchelte Freibeuterkapitän Jack Sparrow (Johnny Depp, „Sleepy Hollow“). Der will, nachdem er im Zuge einer Meuterei seines Kapitänspostens auf der gefürchteten Black Pearl enthoben wurde, in einer befestigten Hafenstadt unter britischer Direktion ein neues Schiff in seinen Besitz bringen. Aufgrund einer Verkettung mehr oder minder unglücklicher Zufälle stolpert er jedoch mitten hinein in ein halsbrecherisches Abenteuer um einen alten Fluch.

Der verwandelt ausgerechnet seine alte Mannschaft sowie seinen Widersacher Barbossa (Geoffrey Rush, „Mystery Men“) in Untote, die einzig bei Mondlicht ihr wahres Äußeres preisgeben. Im Mittelpunkt einer spektakulären Entführung durch die skelettierten Freibeuter steht dabei Elizabeth Swann (Keira Knightley, „Kick It Like Beckham“), Tochter des hiesigen Gouverneures (Jonathan Pryce, „Der Morgen stirbt nie“) und angedachtes Blutopfer der nach fideler Lebendigkeit strebenden Zombie-Piraten. Unverhoffte Hilfe erhält Sparrow bei seiner ereignisreichen Flucht und der darauf folgenden Jagd nach Barbossa vom jungen Schmied Will Turner (Orlando Bloom, „Der Herr der Ringe“), dem heimlichen Geliebten Elizabeths. Zu guter Letzt gesellen sich noch britische Soldaten zur munteren Hatz auf alle Parteien hinzu, denn schließlich gilt es nicht nur die Piraterie auszumerzen, sondern auch die einzige Tochter des Gouverneurs zu befreien.

Spektakuläre Duelle auf hoher See, Skorbut-gebeutelte Seeräubervisagen sowie das gelungene Jonglieren mit Klischees und altbackenen Genre-Zutaten machen „Fluch der Karibik“ zu einer superb fotografierten und von der stimmungsvollen Musik Hans Zimmers („Der könig der Löwen”) untermalten Kaperfahrt beinahe klassischer Gangart. Das bunte Treiben vor exotischer Kulisse ist mit exzellenten Effekten und feiner, obgleich beizeiten recht plumper Ironie angereichert. Über all der technischen Finesse und inszenatorischen Erhabenheit durch Regisseur Gore Verbinski („The Mexican“) thront jedoch Frauenschwarm und Charakterdarsteller Johnny Depp in seinem ersten echten Stück Mainstreamkino. Denn der von ihm brillant und am Rande des Wahnsinns verkörperte Captain Jack Sparrow, obendrein angelehnt an Rolling Stones-Gitarrist Keith Richards, spottet mit seinen kaum abwaschbaren Mascara-Augenringen, der mit Federn und Perlen besetzten Dread-Mähne und seine exzentrische Art der Fortbewegung per pedes im Grunde jedem Seeräuber-Archetyp.

„Pirates of the Caribbean – The Curse of the Black Pearl“, so der Originaltitel, entstand nach der gleichnamigen Touristenattraktion im amerikanischen Disneyland. Das Resultat ist endlich wieder massentaugliches Popcornkino der begeisternden Art, temporeich, furios und mit pointiertem Sprachwitz versehen. Die spielfreudigen Akteure feuern im Wechselspiel mit opulenten Schlachtgemälden und ausgezeichneten Spezialeffekten eine volle Breitseite feinster Kinounterhaltung ab und weichen kleinerer Längen zum Trotze zu keiner Zeit von Kurzweil und lässiger Anspruchslosigkeit ab. Die Macher verneigen sich eindrucksvoll vor großen Vorbildern wie „Der Herr der sieben Meere“ oder „Unter schwarzer Flagge“ und plündern obendrein auf wunderbar rücksichtsvolle Weise die Schatzkiste der Filmhistorie. Somit beweist Jerry Bruckheimer einmal mehr sein Gespür für publikumswirksame Stoffe und zur Abwechslung mal wieder einen rundum gelungenen Sommerblockbuster.

Wertung: (8 / 10)

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