The Howling – Das Tier (USA 1981)

the-howling„You can’t tame what’s meant to be wild.“ – Der einhellige Tenor in der Kommune

Joe Dante ist der Mann für hintersinnig ironischen Horror. Seine Filme spickt er mit Zitaten und Querverweisen, bevorzugt in die Zeit des klassischen Gruselfilms. Das fordert dem Genrefreund auch bei „The Howling“ einige Konzentration ab. Den Originaltitel hielt der deutsche Verleih aufgrund potentiell nachvollziehbarer Verständnisprobleme für unzumutbar und benannte ihn kurzerhand in „Das Tier“ um. Nach dem Buch von Gary Brandner schrieben Independent-Koryphäe John Sayles („Lone Star“), der auch die Vorlage zu Dantes „Piranha“ verfasst hatte, und B-Regisseur Terence H. Winkless („Das Nest“) das Skript.

TV-Reporterin Karen White (Dee Wallace, „Critters“) erhält darin Anrufe von einem Unbekannten, der sich Eddie nennt und als Vergewaltiger und Mörder für Angst und Schrecken sorgt. Er lockt sie in einen Sexshop und wird von der Polizei, als er versucht sie in einer Videokabine anzufallen, erschossen. Dem Job nicht mehr gewachsen, schickt sie Psychiater Waggner (Patrick Macnee, „Mit Schirm, Charme und Melone“) in eine ländliche Kommune, genannt „The Colony“, wo sie zu therapeutischen Zwecken ausspannen soll. Ihr besorgter Gatte Bill (ehelichte Wallace auch abseits der Leinwand: Christopher Stone, „Cujo“) begleitet sie.

Schnell kommen Karen die verschlossene Gesellschaft und erst recht die darin verankerten Individuen reichlich seltsam vor. Für den Zuschauer erschließt sich das Geheimnis mit einer Affäre von Bill und Vamp Marsha (Elisabeth Brooks, „Deep Space“), die sich, nachdem er im nächtlichen Wald von einem wilden Tier angefallen und gebissen wurde, beim Sex am Lagerfeuer in Werwölfe verwandeln. Karen bittet Kollegin Terry (Belinda Balaski, „Die Insel der Ungeheuer“) und ihren Freund Chris („Happy Gilmore“-Regisseur Dennis Dugan) um Hilfe. Und deren Eingreifen kommt zur rechten Zeit, ist doch auch der gute Eddie aus der Leichenkammer verschwunden.

Die sehenswerten Masken- und Verwandlungseffekte kreierte Rob Bottin („Das Ding aus einer anderen Welt“) mit Unterstützung von Rick Baker, der für seine Arbeit an „An American Werewolf in London“ einen Oscar erhielt. Zwar kommt „The Howling“ nur zögerlich in Gang, gipfelt mit der zunehmenden Offenbarung der Gefahr aber in ein starkes (und zu guter Letzt bitterböses) Finale, das sich üppig in den gelungenen Transformationssequenzen suhlt. Da wird selbst Vegetarier Bill zum Fleischfresser und stellt hungrig der eigenen Gemahlin nach. Bloß gut, dass Chris im Vorfeld Silberkugeln auftreiben konnte, um der zu Unauffälligkeit gemahnter Werwolf-Kommune zuzusetzen.

Der Anspielungsreichreichtum zeichnet sich neben der Besetzung – u.a. Kevin McCarthy („Invasion of the Body Snatchers“) und B-Mogul Roger Corman – vor allem durch die Namensgebung der Figuren aus. Der von Macnee gespielte George Waggner beispielsweise ist dem Regisseur des originalen „Wolfsmenschen“ entliehen, auf den Dante auch über eine TV-Ausstrahlung im Film verweist. Der Fundus für Fans ist üppig, trotz kleinerer Schwächen kommt aber auch auf seine Kosten, wer sich einfach an gelungenem Horror ergötzen möchte. Sechs weitgehend unsägliche Fortsetzungen sorgten bis 1995 für die beinahe restlose Aufreibung dieses heimlichen Klassikers.

Wertung: (7 / 10)

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