The Hike – Ausflug ins Grauen (GB 2011)

the-hike-ausflug-ins-grauenNichts Neues im tiefen Wald. Menschen rennen um ihr Leben und werden von Hobbyjägern mit sadistischer Neigung erlegt. Es spielt längst keine Rolle mehr, ob das nun in Amerika, Frankreich oder wie beim vorliegenden „The Hike“ in England erzählt wird. Die Geschichten und mit ihnen die geschilderten Gräueltaten sind stets dieselben. Einzige Variierung ist diesmal die Abstinenz blutrünstiger Hillbillys – oder degenerierter Forstschrate. Das Grauen schlummert hier unerkannt im Bürgertum. Die dazu zwischengereichten Motive sind Zurückweisung und mangelndes Selbstwertgefühl.

Nein, ein cleverer Film wurde hier nicht geschaffen. Im Horrorsegment wäre das sicher auch zu viel verlangt. Hauptsache Spannung, Atmosphäre oder auch Blutzoll stimmen. Aber in diesem rundheraus drögen Genrebeitrag stimmt einfach viel zu wenig. Und das liegt nicht allein daran, dass der Plot um eine Frauengruppe auf Wildnis-Erlebnistrip durchweg bekannt bleibt. Denn streng genommen hat sich der Backwood-Horror seit Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ nur marginal verändert. Dabei hätte die hiesige Ausgangssituation mehr hergegeben als ein letztlich plumpes Sterben im erstaunlich gut beleuchteten Unterholz.

Denn im Mittelpunkt steht Soldatin Kate (Zara Phythian), die in Afghanistan den Tod ihres Geliebten mit ansehen musste und zurück in der Heimat von vier Freundinnen (u.a. Barbara Nedeljakova, „Hostel 1 + 2“) zu einem Wochenend-Wandertrip in die Wildnis geschleppt wird. Die sich daraus eröffnenden Möglichkeiten verpuffen in… nun ja, Ereignislosigkeit. Huch, das Handy hat in der tiefsten Provinz keinen Empfang und Strom für den elektrischen Haarglätter gibt es wohl auch nicht! Die Figuren sind schal, geradewegs abgestanden stereotyp. Aber die notwendige Karenz bis zum Morden will irgendwie überbrückt werden.

Allein, es hilft nichts. Dass die drei irgendwann aufgetanen pa- oder auch potenten Klettermaxe – darunter Co-Autor Ben Loyd-Holmes („Red Heart“) – die nächste Ausfahrt Richtung Wahnsinn genommen haben, versuchen die Macher so gut es geht zu kaschieren. Erwartbar bleibt es trotzdem. Und selbst wenn nicht, „The Hike“ hat nichts zu bieten, was das Dranbleiben lohnen würde. Die Killer sind Idioten, die Opfer egal. Nur Kate schlägt sich wacker. Auch gehandicapt. Vor dem gewollt bösen Finale ist aber auch sie nicht gefeit. Und was Tamer Hassan („Dead Man Running“) als cholerischer Ex-Freund in dieser blassen, buchstäblich grausamen Belanglosigkeit verloren hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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