The Following (Season 1) (USA 2013)

thefollowings1Darüber, dass die amerikanische TV-Landschaft in der vergangenen Dekade einen qualitativen Quantensprung vollzogen hat, brauchen wohl keine großen Worte mehr verloren zu werden. Und während das Kino über technische Weiterentwicklungen (u.a. 3D) und damit verbundenen Zuschauermehrwerten versucht, Stagnation und Filmpiraterie zu trotzen, beweisen Bezahlsender wie Showtime („Dexter“), HBO („Boardwalk Empire“) oder AMC („Breaking Bad“) abseits formaler Trends, dass die Zuschauergunst mit innovativen Geschichten und vor allem ambivalenten Figuren gesichert werden kann. Dieser Entwicklung können sich mittlerweile auch die frei empfangbaren Kabelsender nicht länger verschließen.

Allerdings gelten für diese in Sachen zumutbarer Gewaltdarstellung andere Maßstäbe. Eine Verschiebung dieser Messlatte hat „Scream“-Autor Kevin Williamson bewirkt, dessen Thriller-Reihe „The Following“ recht ausgiebig Kunstblut verspritzt und Hollywood-Star Kevin Bacon („X-Men: Erste Entscheidung“) als versoffenen Bundesermittler in den Mittelpunkt einer abgründigen Serienkiller-Hatz rückt. Dabei offenbaren sich jedoch bisweilen deutlich die Qualitätsunterschiede zwischen Serienproduktionen der Free TV- und Pay TV-Sparte. Denn wo die Zweitgenannte Klischees weitgehend meidet, suhlt sich Williamsons düstere Spurensuche geradewegs in ihnen.

Als der verurteilte Serienmörder Joe Carroll (James Purefoy, „Solomon Kane“) aus einem Gefängnis in Virginia ausbricht, wird der herz- und alkoholkranke Ex-FBI-Agent Ryan Hardy (Bacon) als Berater in die Ermittlungen eingeschaltet. Immerhin war er es, der den einstigen Literaturprofessor nach der Ermordung von 14 jungen Frauen zur Strecke brachte. Er wird ins Team von Debra Parker (Annie Parisse, „The Pacific“) und Mike Weston (Shawn Ashmore, „X-Men“) integriert, rückt von der intendierten passiven Ermittlerrolle jedoch mehr und mehr ab. Und das nicht allein, weil er ein Verhältnis zu Carrolls Ex-Frau Claire (Natalie Zea, „Justified“) pflegte.

Die Fahndung nach Carroll, der sein Werk mit der Tötung eines entkommenen Opfers (Maggie Grace, „Lost“) vollenden will, hält für die Beamten rasch einige furchterregende Überraschungen bereit. Denn wie sich herausstellt, hat Carroll über die Jahre im Gefängnis ein Netzwerk ihm treu ergebener Verbündeter aufgebaut, die wie Schläfer aktiviert werden und mosaikartig zur Erfüllung eines lang ausgeheckten Planes beitragen. Mit dem gedenkt der sämtliche Taten am Schaffen Edgar Allen Poes ausrichtende Carroll Rache an Hardy zu nehmen. Dass er rasch gefasst wird, mindert die Gefahr daher keineswegs. So entpuppt sich Emma (Valorie Curry, „Veronica Mars“), Kindermädchen von Carrolls Sohn Joey (Kyle Catlett), ebenfalls als fanatische Komplizin.

Sie entführt den Jungen, über den Drahtzieher Carroll auf seine neuerliche Befreiung hinwirkt und zudem die Wiedervereinigung mit Claire anstrebt. Hardy und Kollegen scheinen immer (mindestens) einen Schritt hinterher und der Killer-Kult erweist sich als so undurchdringlich, dass die Gefahr kaum berechenbar ist. Diese Grundidee zeigt in der Einleitung Wirkung und erzeugt allein durch die Unüberblickbarkeit der Ausmaße Spannung. Doch das Niveau bleibt über die 15 Episoden der ersten Staffel unbeständig und neben vielen Klischees leidet die Serie auch unter bisweilen haarsträubenden Unlogik, so dass sie trotz ansehnlicher Darstellerleistungen letztlich doch mehr der Güteklasse „Horsemen“ denn „Sieben“ entspricht.

Nun könnte einmal mehr behauptet werden, das Rad wolle hier auch gar nicht neu erfunden werden, zumal „The Following“ dem Anspruch der reinen Unterhaltung ja auch routiniert nachkommt. Nur offenbaren die Figuren nicht allein mit Zusteuerung auf die unausweichliche Konfrontation zwischen Hardy und dem samt seiner Jünger in einem entlegenen Landhaus Zuflucht suchenden Carroll unplausible Handlungsmuster und während das Ermittlerteam durchaus plastisch skizziert wird, bleiben die Killer samt Carrolls vermeintlichem Meisterplan doch eher krude Entsprechungen typischer Horrormotive. Ein großer Wurf ist die Reihe damit nicht. Der finale Cliffhanger macht eine Fortsetzung aber schier unumgänglich.

Wertung: (5 / 10)

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