Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1) (S/N/DK/D/IS/F/GB 2015)

Schweden, deine Krimis. Sie sind kühl, abgründig und handeln häufig von Ermittlern mit Narben auf der Seele. So auch „Modus – Der Mörder in uns“. Der Serienauftakt basiert auf Anne Holts Roman „Gotteszahl“. Hauptfigur ist die Psychologin und ehemalige FBI-Profilerin Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman, „Die Brücke – Transit in den Tod“), die mittlerweile Sachbücher schreibt und an der Polizeischule doziert. Die Erziehung der beiden Töchter, der autistischen Teenagerin Stina (Esmeralda Struwe) und der jüngeren Linnea (Lily Wahlsteen), teilt sie sich mit ihrem Ex-Mann Isak (Simon J. Berger, „Bessere Zeiten“). Von der klassischen Ermittlungsarbeit will sie eigentlich nichts mehr wissen. Doch dann wird sie durch scheinbar zusammenhanglose Morde in einen Fall verstrickt, der für sie auch persönlich großes Gefahrpotenzial birgt.

Während der Hochzeitsfeier ihrer Tante wird Stina im Treppenhaus eines Hotels Zeuge, wie Richard Forrester (Marek Ovarec, „Verräter wie wir“) die Leiche einer prominenten Fernsehköchin beseitigt. Dass er die unliebsame Mitwisserin anschließend davor bewahrt, auf der Straße von einem Lastwagen überrollt zu werden, wirft unweigerlich Fragen nach dem Motiv auf. Als er kurz darauf, an Weihnachten, eine Bischöfin ermordet, bittet der mit dem Fall betraute Kriminalbeamte Ingvar Nyman (Henrik Norlén) Inger um Hilfe. Die lehnt zunächst ab, unterstützt die Ermittlungen jedoch, als sie ahnt, dass die noch verschlossener als gewöhnlich auftretende Stina ein düsteres Geheimnis hegt. Inger bringt ihre alten FBI-Verbindungen ins Spiel und stößt bald auf eine mögliche Verbindung der Morde – und die Beteiligung einer militanten US-amerikanischen Sekte, die Homosexualität als Übel der Menschheit anprangert.

Die vier Episoden in Spielfilmlänge sind ansprechend besetzt und visuell auf Kinoniveau. Das zeigt sich besonders an den Aufnahmen des verschneiten Hinterlands, in dem Forrester in einem Wohnwagen im Wald haust und wahlweise nackt in einem zugefrorenen See badet, ein bewusst überfahrenes Reh häutet oder Fotos an die Wand projiziert. Der um ihn gesponnene Fall erweist sich trotz wenig glaubhaftem Hintergrund als angenehm verzwickt und die Einbindung von Hinterbliebenen der Opfer, darunter Krister Henriksson („Mankells Wallander“) als Spuren beseitigender Gatte der getöteten Geistlichen, kehrt auch die dramatische Seite der Ereignisse solide hervor. Das unterstreicht auch Nyman, der versucht den Tod seiner Tochter zu verarbeiten und Partnerin Inger – natürlich – näher kommt.

Auch wenn der Plan des Auftragsmörders, in dem der ebenfalls schwule Reeder Marcus Ståhl (Magnus Roosmann, „Evil“) eine zentrale Rolle spielt, häufig Papier rascheln lässt, Spannung und Atmosphäre stimmen. Zumindest über weite Strecken. Was die Staffel merklich an Boden verlieren lässt, ist, neben den unnötig auf Nervenkitzel pochenden Begegnungen zwischen Stina und Forrester, die Finalfolge. Ungereimtheiten häufen sich, Inger stellt die Lösung des Falles über die Obhut ihrer Kinder und das Erzähltempo überschlägt sich. Die damit einhergehende Unwucht lässt den Stoff hinter seinen Möglichkeiten zurückfallen. Das zwangsläufige Duell zwischen Profilerin und Killer wirkt als Schlusspunkt überhastet. Für die Figuren interessiert sich der konventionelle Ausklang nicht mehr. Eine erst vielversprechende und letztlich etwas enttäuschende Mini-Serie.

Wertung: (6,5 / 10)

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