Die Brücke IV – Das Finale (Staffel 4) (S/DK/D 2018)

Es endet. Nach vier Staffeln – und damit verbunden vier kniffligen Kriminalfällen – findet auch die packende TV-Reihe „Die Brücke“ (hiesiger Untertitel: „Transit in den Tod“) verdienten Ausklang. Das erfolgreiche Konzept des grenzübergreifenden Ermittler-Teams wurde mehrfach adaptiert (u. a. für zwei Seasons in den USA) und gilt längst als moderner Klassiker. Einer der Hauptgründe: Sofia Helin („Schneemann“), die der empathisch retardierten schwedischen Asperger-Polistin Saga Norén beträchtlichen Erinnerungswert beschert. Gerade für die Figur der sozial unzulänglichen Analytikerin hält das Finale mehr psychische Belastung, aber auch emotionale Öffnung, als je zuvor bereit. 

Seit mehr als einem Jahr sitzt Saga im Gefängnis. Der Suizid ihrer Mutter wurde als Mord gedeutet. Der Alltag ist trist, geprägt von Konflikten mit anderen Insassinnen. Einzig die Besuche ihres dänischen Polizeikollegen und Liebhabers Henrik Sabroe (Thure Lindhardt, „Die Borgias“) verheißen Abwechslung. Während Saga auf die nächste Anhörung wartet, wird Henrik mit einem Fall von beträchtlichem politischem Ausmaß betraut: Die umstrittene Leiterin der Ausländerbehörde wurde unter der Verbindungsbrücke zwischen Dänemark und Schweden bis zum Kopf eingegraben und grausam gesteinigt. Der Anfangsverdacht fällt auf einen von der Toten abgeschobenen homosexuellen Flüchtling (Alexander Behrang Keshtkar). Oder steckt vielmehr eine linksextremistische Gruppierung hinter der Tat?

Ohne Saga geht es nicht. Daher muss ihre Zeit hinter Gittern endlich sein. Dennoch bleiben innere und äußere Narben – und posttraumatische Stresssymptome. Der durch den Verlust seiner Familie nicht weniger gebeutelte Henrik ist ihr kein echter Beistand. Die Auflösung der dritten Staffel deutete an, dass sich Saga des spurlosen Verschwindens seiner beiden Töchter annehmen würde. Zu erwarten war ein stärkeres Augenmerk. Allerdings schwingt dieser Aspekt zunächst eher beiläufig mit. Dass Saga zum Ermittlerteam der bewährten Lillian (Sarah Boberg) hinzustößt, passt Henriks Partner Jonas (Mikael Birkkjær) nur bedingt. Aber auch er muss erkennen, dass die wenig umgängliche Kollegin von der anderen Brückenseite in ihrer Auffassungsgabe nur schwer zu überbieten ist.

So geraten unter anderem Journalist Richard (Pontus T. Pagler), der gewalttätige Taxifahrer Dan (Lars Ranthe) sowie die auf der Straße lebenden jugendlichen Schwestern Ida (Iris Mealor Olsen) und Julia (Fanny Bornedal) ins Visier der Kriminalbeamten. Ob der beiden Letztgenannten, die dem Täter auf der Straße das Handy geraubt haben, erwacht in Henrik der väterliche Beschützerinstinkt. Die reichhaltigen Verstrickungen der Protagonisten sind damit längst nicht ausgeschöpft. Doch laufen die verschiedenen Erzählstränge in sich rund zusammen, so dass jede Figur individuelle Bedeutung für das dramaturgisch gekonnt konstruierte Gesamtwerk erhält. So wie Sofie (Lisa Linnertorp), Ex-Frau des tyrannischen Dan, und Sohn Christoffer (Erik Lönngren), die in eine abgeschottete Landkommune flüchten und vom manipulativen Frank (Anders Mossling) umgarnt werden.

All das – und noch viel mehr – ist Teil eines komplexen Puzzles, das nicht allein Henrik mit der eigenen (beruflichen) Vergangenheit konfrontiert. Auf dem Weg dorthin gibt es naturgemäß weitere Tote, was rasch das Werk eines Serienkillers erkennen lässt. Saga schlussfolgert, dass dessen Bluttaten einem spezifischen Muster folgen: offiziellen Hinrichtungsarten. Allerdings gilt es zunächst, das Motiv zu entschlüsseln, um die Opfer und deren Hinterbliebene in einen gemeinsamen Kontext rücken zu können. Überschattet werden die Ermittlungen vom persönlichen Zerwürfnis zwischen Henrik und Saga. Die damit verbundene emotionale Lernkurve macht insbesondere ihren Charakter plastischer denn je. „Die Brücke“ zieht damit im finalen Akt noch einmal alle Register und verabschiedet sich mit Tönen zwischen Versöhnung und Aufbruch. Für Freunde nordischer Krimikost ein echtes Muss!

Wertung: (8 / 10)

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