Die Brücke – Transit in den Tod (Staffel 3) (S/DK/D 2015)

die-bruecke-transit-in-den-tod-staffel-3Mit Staffel drei erreicht die schwedisch-dänisch-deutsche Erfolgsserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ ihren (vorläufigen) Höhepunkt. Den Ausschlag dafür gibt neben der willkommenen Veränderung des Figurengeflechts die gegenüber den Vorgängern merklich überzeugender auserzählte Geschichte. Vor allem Staffel zwei krankte an konstruierten Wendungen und zunehmender Unglaubwürdigkeit. Im dritten Anlauf gelingt den Machern hingegen ein von Anfang bis Ende geschlossener Spannungsbogen. Die Intensität schöpft sich dabei auch aus der zunehmenden persönlichen Zerrüttung von Asperger-Polizistin Saga Norén (Sofia Helin).

Die empathisch minderbemittelte Beamtin von der Kripo Malmö hat ihren dänischen Partner Martin Rohde (ohne Gastauftritt: Kim Bodnia) per belastender Aussage ins Gefängnis gebracht. Rational kann sie die Entscheidung vertreten, emotional setzt sie ihr jedoch zu. Zeit zum Luftholen bleibt aber auch diesmal nicht. Auf einer Baustelle wird die Leiche einer bekannten schwedischen Gender-Aktivistin gefunden – eingebettet in ein kunstvoll arrangiertes Szenario. Da die Ermittlungen eine neuerliche Kooperation mit den dänischen Kollegen erfordert, erhält Saga mit Hanne (Kirsten Olesen) eine neue Partnerin. Einen bizarren Mordfall später führt die Spur zur radikalen Bloggerin Lise Friis Andersen (Sonja Richter, „The Homesman“), die im Netz offen Stimmung gegen die Ermordeten gemacht hat.

Der Auftakt bleibt überschaubar. Mysteriöse Morde samt entnommener Organe, ein scheinbares Motiv, eine neue Partnerin. Im Sohn des ersten Opfers, einem traumatisierten Kriegsveteranen, scheint rasch ein Verdächtiger gefunden. Doch „Die Brücke“, neuerlich über fünf rund zweistündige Episoden ausgerollt, gibt sich komplexer denn je. Scheinbar wahllos wird eine Vielzahl von Nebenfiguren eingeführt, die ein verzweigtes Puzzle bilden, eine übergeordnete Bedeutung jedoch nicht selten schuldig bleiben. Sie sind Mosaiksteine, um falsche Fährten und dramaturgisch meist clever konstruierte Schicksale einzubringen. Das mag den Fokus bisweilen von der eigentlichen Fahndung nach dem Serienkiller lenken, rüttelt aber nicht an der Klasse der überraschend tiefgründigen Geschichte.

Als Hanne im Dienst schwer verletzt wird, bietet sich mit Henrik Sabroe (Thure Lindhardt, „3096 Tage“) ein weiterer Partner an. In seinem persönlichen Schicksal flechten die Macher gar subtile Mystery-Anflüge ein, deren Erklärung zwar unverzüglich greifbar scheint, die für die weitere Fortsetzung der Reihe aber von immenser Bedeutung ist. Henrik ist ein brillanter Ermittler, erhält durch Drogensucht und tendenzielle Labilität aber zeitgemäße Ambivalenz. Bei Saga ist er damit in guter Gesellschaft, die durch das plötzliche Auftauchen der Mutter mit der Schwere ihrer Kindheit konfrontiert wird. Als auch ihr Vorgesetzter Hans Petterson (Dag Malmberg, „Easy Money“) ins Visier des Mörders gerät und sie von dessen Vertreterin massiv unter Druck gesetzt wird, scheint auch die sonst so resolute Ermittlerin an die Grenzen der Belastbarkeit zu stoßen.

Doch auch abseits der Hauptfiguren werden in kühlen, düsteren Bildern menschliche Abgründe entblößt. Kunstliebhaber Freddie Holst (Nicolas Bro) lässt von der jungen Jeanette (Sarah-Sofie Boussnina, „Schändung“) ein Kind austragen, weil seine mit falschem Schwangerschaftsbauch auftretende Frau keinen Nachwuchs gebären kann. Ihr Ex-Mann, Selbsthilfe-Guru Claes (Reuben Sallmander, „Verblendung“), bandelt mit Annika (Louise Peterhoff) an, erkennt jedoch zu spät ihre soziopathischen Züge. Die gelungene Auflösung, sowohl des undurchsichtigen Falles als auch der persönlichen Verstrickungen der Charaktere, macht Staffel drei zur insgesamt besten der Serie. Die Nebenplots mögen streckenweise zu viel Raum einnehmen, doch entpuppt sich die Reihe einmal mehr als Thriller-Format, das über bloße Krimi-Formeln angenehm weit erhaben ist.

Wertung: (8 / 10)

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