The Ataris – Silver Turns to Rust (2017/2018, Funk Turry Funk)

Jünger werden wir alle nicht. Das gilt auch für THE ATARIS. Der Vierer aus Indiana hat seinen Sound, wie so viele andere, im Laufe des Werdegangs verändert. Wo früher die Schnittstelle von Pop-Punk und Emo bedient wurde, gedeiht heute erdiger Rock zwischen Punk, Indie und Alternative. Die einen mögen es Reifeprozess nennen, die anderen gediegenes Spätwerk. Eile jedenfalls treibt die Jungs um Sänger, Gitarrist und kreativen Kopf Kris Roe keine mehr um. Verdeutlicht wird das durch ihr sechstes Album „The Graveyard of the Atlantic“, das seit 2008 in Planung ist – und 2018 tatsächlich veröffentlicht werden soll.

Bereits 2010 wurden zwei Tracks der Platte als 7″ vorgestellt, zwei weitere folgten 2012. Danach kehrte wieder Ruhe ein, bis 2016 die „October in This Railroad“-EP eingeschoben wurde. Um das Geduldsspiel auf die Spitze zu treiben, folgte im vergangenen Jahr die Kompilation „Silver Turns to Rust“. Die enthält die vier bislang bekannten Songs von „The Graveyard of the Atlantic“, die sechs Stücke von „October in This Railroad“ sowie zwei Demo-Versionen bislang unveröffentlichter Nummern. Das frisch gegründete Berliner Label Funk Turry Funk macht die ursprünglich rein digital gereichte Zusammenstellung erstmals auf CD und Vinyl zugänglich. Zumindest für Komplettisten ist das ein gefundenes Fressen.

In der Hauptsache aber erfüllt die Scheibe ihren Zweck und facht die Vorfreude auf „The Graveyard of the Atlantic“ (neuerlich) an: „All Souls‘ Day“ ist ein waschechter Hit mit bewährtem Emo-Schmiss, „Fast Times At Dropout High“ und der mutmaßlich baldige Titeltrack unterstreichen den poppigen Charakter der ATARIS und „12.15.10“ setzt auf bodenständigen Rock in GASLIGHT ANTHEM-Manier. Der Sound von „October in This Railroad“ gibt sich im Vergleich herber. Die zumeist kaum über die Zwei-Minuten-Marke hinausreichenden, auf alten, nie verwirklichten Ideen basierenden Beiträge erinnern nicht selten an eine Mischung aus den späten ALKALINE TRIO und den FOO FIGHTERS.

Fast scheint es, als wollten Roe und Kollegen einfach mal wieder kompromisslos abrocken. Der knarzende Bass und die kratzende Gitarre bei „They Live, We Sleep“ macht zweifelsfrei Laune, gerade als Kontrastprogramm zum angestammten, vornehmlich durch „Trash Panda“ und „Silver Turns to Rust“ repräsentierten Klangbild. Die akustischen, soundtechnisch deutlich abfallenden Demo-Songs „Some Notes on Bach and Haydn“ und „You and Your Pefect Li(f)e“ bieten zum Abschluss immerhin ein bisschen Neuerung. Danach heißt es wieder, sich in Geduld zu üben. Das Warten auf Godot, Pardon „The Graveyard of the Atlantic“ geht in die nächste Runde.

Wertung: (7 / 10)

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