Swarmed – Das tödliche Summen (CDN 2005)

swarmedDas Grusel-Subgenre des Tierhorrorfilms beschränkt sich längst auf TV- und Videoproduktionen. Davon kündet auch die kanadische Fernsehproduktion „Swarmed – Das tödliche Summen“, die Regisseur Paul Ziller („Snakehead Terror“) bei aller Routine mit erstaunlichem Hang zu unterschwelliger Humoreske schmückt. Natürlich droht wieder einer US-Kleinstadt animalisches Ungemach, diesmal der ländlichen Gemeinde Dundas. Dort brütet Genforscher Kent („Stargate SG-1“-Veteran Michael Shanks) über ein neues Pestizid gegen Wespen, das aber nicht alle Versuchstiere tötet, sondern vereinzelte zu angriffslustigen Killern mutieren lässt.

Der geneigte Zuschauer ahnt es bereits, durch den um Vernichter bettelnden Kammerjäger Q (Richard Chevolleau, „Vier Brüder“) gelangt das falsche Präparat in die Sprühflasche und wird großzügig über ein lokales Wespennest verteilt. Da auch die örtliche Festivalität nicht fehlen darf, macht sich der tödliche Schwarm alsbald über das populäre Hamburger-Wettgrillen her. Die dörfliche Fleischbeschau wird natürlich landesweit im Fernsehen übertragen, handgemachtes Fast Food zieht das Publikum bekanntlich an wie Spanische Fliege.

Das kleinstädtische Leben ist nicht nur obligat, sondern längst Klischee. „Swarmed“ ist so durchsichtig wie ein frisch geputztes Fenster, bereitet aber Vergnügen, weil Paul Ziller die Eintönigkeit der altbackenen Geschichte ironisch bricht. Bei seinen Versuchen, den genetischen Fauxpas zu egalisieren, eilt Kent Insektologin Cristina (Carol Alt, „Private Parts“) zu Hilfe. Gebremst werden die gemeinsamen Anstrengungen jedoch durch den Gegenwind der Obrigkeit. Ob Bürgermeister („Killerbienen, Virenalarm, Terroristenangriffe – wir können uns keine schlechte Publicity leisten.“), Polizeichef oder Grillsaucenmogul (TV-Dauerbrenner Tim Thomerson, „Xena“), niemand schenkt der drohenden Gefahr Beachtung.

Wenn das Skript von Miguel Tejada-Flores („Rottweiler“) keine Rücksicht auf Logik nimmt, können die Wespen ruhigen Gewissens all jene Zweifler aus dem filmischen Leben pieksen, denen die Antipathie des Zuschauers ohnehin gewiss ist. Die Dramaturgie ist fruchtlos, aber nicht ohne Unterhaltungswert. Ernst nehmen darf man dies Gebräu aus Science-Fiction und Grusel-Thriller nicht. Leidlich spannend und nach Schema F konzipiert, sind die soliden Computertricks auf formaler Ebene noch das überzeugendste Element. Hier wird nicht mit Kanonen auf Spatzen, dafür mit Schrot auf Wespen gefeuert. „Swarmed“ ist alles andere als gut, dafür aber liebenswert dämlich. Das unnötig offene Ende wirkt da fast verzeihlich.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

 

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