Sein Wechselgeld ist Blei (I 1967)

seinwechselgeldistbleiWenn im Spaghetti-Western der amerikanische Sezessionskrieg durchgespielt wird, haftet dem Norden nicht selten eine Aura purer Boshaftigkeit an. Warum auch nicht, schließlich erdreisteten sich die verbliebenen Staaten der Union, den Konföderierten die Sklavenhaltung zu verbieten. Und kommt es letzten Endes nicht eines fremdbestimmenden Aktes gleich, seinem Nachbarn das von Gott gegebene Recht zu verweigern, aus Afrika verschleppte Menschen zur Zwangsarbeit auf den hauseigenen Baumwollfeldern einzusetzen?

Nicht wenige der Südstaatler sehen das genau so. Einer von ihnen ist Freischärler Butch von Springfield (Nello Pazzafini, „Ein Loch im Dollar“), der sich den mordenden und plündernden Aggressoren mutig entgegenstellt. Auf Drängen seines Arbeitgebers, dem Rancher Evans (Andrea Bosic, „Man nennt mich Halleluja“) schließt sich auch der junge Cowboy Johs (Peter Lee Lawrence, „Ein Colt für hundert Särge“) den Rebellen an. Zu diesem Zeitpunkt aber hat der skrupellose Nordstaatenoffizier Clifford (Luigi Vannucchi, „Johnny Yuma“) bereits dessen Bruder ermordet. In Butchs Kreisen wird aus dem Idealisten bald ein Mörder in Notwehr, als Johs während eines Postkutschenüberfalls – auch die Revolution will finanziert werden – einen Mann erschießt.

Seine Verlobte Christine (Beba Loncar, „Casanova 70“), obendrein Evans Tochter, will von ihrem steckbrieflich gesuchten Holden nichts mehr wissen, als sie nach Beendigung des Krieges die Heimkehr antritt. Stattdessen soll sie Clifford heiraten, der mit dem unrechtmäßig angeeigneten Vermögen aus Kriegstagen die Farm der Familie vor dem Ruin bewahrt. Daneben aber macht sich Amnesie breit, scheint doch niemand den Mörder von einst, geschweige denn dessen rechte Hand Hank (Lucio Rosato, „Kopfgeld: Ein Dollar“) zu erkennen, seitdem er die Uniform gegen den maßgeschneiderten Anzug getauscht hat. Als Johs wieder auftaucht, kommt es zum Kampf.

Regisseur Alfonso Brescia („100.000 verdammte Dollar“) inszenierte „Sein Wechselgeld ist Blei“ als banale Rachegeschichte mit aufgesetztem Pathos. Der simpel gestrickte, nicht immer logische Handlungsstrang wirkt arg konstruiert, was durch reichhaltige, nicht mehr als routiniert gefilmte Schießereien überlagert werden soll. Die Hilflosigkeit des Drehbuchs aber, die aus Revoluzzer Butch kurzerhand einen durchtriebenen Halunken macht, als sich für seine Figur keine Verwendung mehr findet, lässt sich kaum kaschieren. So bleibt es bei Fließbandware ohne Wiedererkennungswert, ohne Langeweile zwar, doch ebenso ohne Raffinesse.

Wertung: (4 / 10)

scroll to top