Scheissediebullen – Anwohner raus! (2016, Gunner Records)

„Ihr seid das Volk in einem Land, das schon mal für Gleichschaltung stand. Habt nichts gelernt und nicht kapiert, dass man nicht einfach mitmarschiert.“ – ‘Frauke Petry / Hurensohn‘

Es gibt ihn noch, den humorlosen Deutsch-Punk. Auch wenn SCHEISSEDIEBULLEN auf den ersten Blick eine gute Schippe Ironie mit sich zu bringen scheinen. Denn ihr Zweitwerk trägt den überspitzen Titel „Anwohner raus!“. Früher skandierten SLIME „Yankees raus“. Jetzt sind es eben die Nachbarn. Doch der Schein trügt. Die Platte ist konsequent. Konsequent kritisch. Konsequent schnörkellos.

Die 15 Tracks sind eine Bestandsaufnahme der sozialen und politischen Gegenwart in Deutschland. Dabei geht es um die gesellschaftliche Abstumpfung („Relativistischer Dreck“, „Kannst du mit leben“) und den allgemeinen Rechtsruck („Videoabend“, „Frauke Petry / Hurensohn“), aber auch um die Polizei („110“), das homophobe Familienbild der Religion („Religiöse Gefühle“) oder Fußball als Ventil vaterländischer Ergötzungstendenzen („Turm aus Licht“). Das daraus resultierende Attest fällt düster aus. Kein Wunder, dass es hier nichts zu lachen gibt.

Die Texte sind direkt, bieten neben Parolen aber auch Denkanstöße. Dass dabei nicht auf Zeilen wie „Scheiß auf Grenzern, scheiß auf Staat, bleiben soll, wer bleiben mag“ (aus „Offensichtlich unbegründet“) verzichtet werden muss, nährt die Anlehnung an den kämpferischen Genre-Sound der 80er. Stimmlich wird streckenweise Mut zur Schieflage offenbart, obgleich im Vordergrund nicht immer leicht verständlicher Grölgesang regiert. Im Kombinat mit rotziger Melodik und rauem Sound werden Erinnerungen an DIE BOCKWURSCHTBUDE wach. Nur eben mit mehr Konsequenz. Nicht allein deshalb sollten Deutsch-Punk-Puristen „Anwohner raus!“ definitiv Gehör schenken.

Wertung: (7 / 10)

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