Oile Lachpansen – Spatz (2016, Lachpansen Inc.)

Das Künstler-Pseudonym OILE LACHPANSEN lädt regelrecht zu einem einleitenden Wortspiel ein. Doch so groß der Reiz, so klein das Auskommen. Besser amüsieren kann man sich schließlich mit „Spatz“, dem neuen Album des Solomusikers. Auf dem widmet sich der Wahl-Dresdner, der früher u. a. die Kölner Deutsch-Punks MOFA bereicherte, kleinen Alltagsgeschichten und hüllt diese in gefälligen Indie-Pop mit Singer-/Songwriter-Charme. Der Aufnahmeprozess dauerte rund zwei Jahre. So ist das im DIY. Oder wenn eine Beziehung zerbricht. Also musste das Material warten. Gelohnt hat es sich.

Aber was heißt warten? Das Gros des Dutzend Songs wurde bereits als Teil der zwischengeschobenen „Transformations“-Pentalogie vorgestellt. Nun also eine um zwei neue Stücke ergänzte Auswahl. Die beginnt mit „Vogel“ reduziert. Klavier und Gesang. Klassischer Liedermacher-Stoff, hier gereicht mit Melancholie und Bierdurst. Danach folgt der Abstecher nach „Las Vegas“, wo die Akustik-Gitarre zum Einsatz kommt und eine Anekdote von Ruhefindung, Alkoholberieselung und Einsamkeit im Eheurlaub untermalt. Große Nummer! Auf diesem sympathisch lässigen Niveau geht es weiter, mal allein, mal im Bandverbund. Dabei steht hier der Kneipenbesuch als Fluchtmöglichkeit vor dem Alleinsein („Oma“) im Vordergrund, während dort das Fernweh („Highway“) befriedigt wird.

Der Tenor bleibt von einer grundlegenden Schwermut überschattet, die ob der zuversichtlichen Stimme jedoch nie zu schwer wiegt. Es bereitet einfach Freude, OILE LACHPANSEN dabei zuzuhören, wie er ins graue Mittelmaß des Lebens eintaucht und ein Panoptikum nahbarer Befindlichkeiten zwischen Beziehungsnöten („Die schönste Frau der Welt“), Eskapismus („JYI“) und Tagträumerei („Undercover Cop“) abschöpft. Resignation, zumindest die des rastlosen Thirty-Somethings, kehrt lediglich bei „Einmal gut“ ein. Am Ende, beim Titelstück, erfolgt die Rückkehr des Klaviers. Über sechs Minuten wird der Spatz, begleitet von Chören und Streichern, in die Freiheit entlassen. Der versöhnliche Schlusspunkt eines entdeckungswürdigen Albums.

Sammlern sei die weiße 180-Gramm-Vinyl-Ausführung (limitiert auf 500 Exemplare) der Platte ans Herz gelegt. Denn lieber den „Spatz“ in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ach kacke, jetzt ist es doch passiert. Ohne mieses Wortspiel geht es einfach nicht!

Wertung: (7,5 / 10)

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