Affenmesserkampf – Clowns in Wut – Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen IV (2017, Gunner Records)

„Das Boot ist nicht voll, aber dafür deine Hose. Nur arme Würstchen sind noch stolz auf ihre Würstchendose.“ – ‘1992‘

Wer erinnert sich nicht an Harald Ewert? Sein Foto wurde zum Symbol des widererstarkten Rassismus in Deutschland. 1992, während der Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen, erhob er den rechten Arm zum Hitlergruß. Dabei trug er nicht nur ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, sondern auch eine Hose mit markantem Fleck im Schritt. Wenn AFFENMESSERKAMPF auf dem Cover ihres dritten Langspielers „Clowns in Wut – Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen IV“ eine besudelte Jogginghose zeigen, ist die Richtung klar erkennbar. Wie könnte sie auch nicht? Schließlich sind die Geister von Rostock und Solingen in den vergangenen zwei Jahren nicht nur schmerzlich ins deutsche Kollektivgedächtnis zurückgekehrt, sondern von Pegida, AfD & Co. auch mit fataler Konsequenz in die Gegenwart transferiert worden.

Angesichts dieser Entwicklung bleibt selbst den sonst so bissigen Kieler Deutsch-Punks das Lachen im Halse stecken. Die Texte präsentieren zwar immer noch ausreichend spöttische Wortspiele und Phrasen, werden jedoch spürbar von der im Titel angeführten Wut getrieben. „Böse oder blöde“, „Diedieda“ und „1992“ bringen das aufgefrischte Dilemma der Republik überdeutlich auf den Punkt. Nicht minder angepisst – wenn auch weniger im Ewert’schen Sinne – gibt sich „Im Auge des Verachters“. Zum Verschnaufen laden dagegen „Hauptsache Offroad“ oder „Strukturidioten“ (erstmals auf der 2013er-Split mit ROBINSON KRAUSE verewigt) ein. Als Gassenhauer empfiehlt sich das hymnische „Band of Bros“. Aber auch in dem geht es wieder um Kleingeistigkeit. Da darf „Im besten Fall erbärmlich“ unmöglich hinten anstehen.

In der Vergangenheit waren AFFENMESSERKAMPF, sofern man das bei einer Band wie dieser sagen kann, ein Stück bequemer. Musikalisch hat sich zwischen treibendem, unter der Oberfläche ansprechend melodischem Punk und halb-gesprochenen Vocals im Grunde wenig geändert. Was „Clowns in Wut“ ausmacht, ist die dahinter stehende Vehemenz. Die Band sträubt sich spürbar, mit jeder Faser, gegen den die Gesellschaft vergiftenden Rechtsruck und lässt ihrer Abneigung mit beachtlicher Wucht freien Lauf. So kommt mit diesen Clowns keine Träne, sondern allein der Trotz. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser hilft, die mit Rostock verbundene Menschenverachtung zu dem zu machen, was sie sein sollte: ein längst überwundenes Gespenst der Vergangenheit.

Wertung: (7,5 / 10)

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