Saosin – Along the Shadow (2016, Epitaph Records)

saosin-along-the-shadowIm Sinne der Transparenz an dieser Stelle direkt einmal ein kleiner Disclaimer: Ich liebe die Debüt-EP „Translating the Name“ von SAOSIN. Das Drumgeballer von Pat Magrath, die hingefrickelten Gitarren von Justin Shekoski und Beau Burchell und die explosiv-emotionale Stimme von Anthony Green. Der Bass ist vermutlich auch ganz gut, was weiß ich. Würde ich eine Top 5 derjenigen Veröffentlichungen erstellen müssen, die meinen Musikgeschmack am meisten geprägt haben, wäre „Translating the Name“ definitiv ganz vorne mit dabei.

Die nachfolgenden Releases mit Sänger Cove Reber und Alex Rodriguez an den Drums? Nun ja, sagen wir mal, ein Platz in den Top 1.000 wäre vielleicht machbar. Irgendwie fehlte seit der ersten EP für mich der gewisse Funken in der Musik von SAOSIN. Prädikat: Oldschool-Fan, eindeutig. Entsprechend groß war nun also die Vorfreude als verkündet wurde, dass Anthony Green nach Jahren der Abstinenz und Tätigkeit bei CIRCA SURVIVE wieder zu SAOSIN stoßen würde.

Wer jedoch erwartet oder wie in meinem Fall erhofft hat, SAOSIN würden genau dort weitermachen, wo man 2003 aufgehört hatte, wird mit „Along the Shadow“ leider enttäuscht. Eine Überraschung ist das freilich nicht, schließlich hatten die beteiligten Musiker 13 Jahre Zeit, sich weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren und musikalische Einflüsse aufzusammeln. Entsprechend klingt „Along the Shadow“ dann auch deutlich reifer. Zwar unverkennbar nach SAOSIN, aber eben nicht mehr exakt nach der Band, die seinerzeit „Translating the Name“ abgeliefert hat. Reifer ja, aber leider eben auch ein Stück weit weniger ungestüm, weniger emotional, kontrollierter, mid-tempoiger und mit weniger Hummeln im Hintern.

Zum einen liegt dies sicherlich an Anthony Green selbst, der zwar trotz unerwartet häufiger Shout-Einlagen eben inzwischen doch eher der Frontmann von CIRCA SURVIVE als von SAOSIN ist. Zum anderen liegt es allerdings auch am Fehlen von Studiodrummer Pat Magrath, der das erste musikalische Lebenszeichen der Band seinerzeit mit einer unbändigen Spielfreude nach vorne gekloppt hatte, an die Alex Rodriguez nicht ganz heranreicht. Und nicht zuletzt an der Produktion, die auf „Translating the Name“ etwas brachialer und kantiger war als auf dem vergleichsweise glattgebügelten „Along the Shadow“.

Und obwohl SAOSIN 2016 am gewaltigen Schatten scheitern, den die Band anno 2003 geworfen hatte (Vielleicht bezieht sich sogar der Albumtitel hierauf, wer weiß), hat „Along the Shadow“ durchaus seine Momente, die sich gerade aus der Reife der Musiker ergeben. Beispielhaft wäre hier der epische Refrain von „Ideology Is Theft“ oder das sich bedrohlich aufbäumende „Old Friends“ zu nennen. Insgesamt weiß „Along the Shadow“ jedoch selten wirklich zu begeistern, obwohl sich die Songs vom Songwriting und der Spieltechnik her auf hohem Niveau bewegen.

Leider fehlt, wie schon auf den beiden Longplayern von SAOSIN, an vielen Stellen die ungeschliffene Emotion der ersten Stunde, so dass im Vorfeld zu erwarten war, dass „Along the Shadow“ kein zweites „Translating the Name“ werden würde. Zumindest steckt der neue Longplayer von SAOSIN aber die beiden Vorgänger in die Tasche, auch wenn der wirklich große Wurf leider ausbleibt.

Wertung: (6,5 / 10)

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