Heisskalt – Vom Wissen und Wollen (2016, Department Musik/Sony)

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Vor zwei Jahren hatten HEISSKALT aus Stuttgart mit „Vom Stehen und Fallen“ einen ersten echten Achtungserfolg in der Szene erringen können. Epische, atmosphärisch dichte Kompositionen irgendwo zwischen Indie, Post-Hardcore und Postrock und die exzellenten Texte auf Deutsch hatten einen ersten ordentlichen Einschlag abgegeben. Und zunächst hat es den Eindruck, dass HEISSKALT mit „Vom Wissen und Wollen“ genau dort anknüpfen, wo das erste Album 2014 aufgehört hatte. Mit „Euphoria“ gelingt der Band jedenfalls ein fulminanter Albums-Auftakt. Der Song stürmt und drängt wie schon das Debütalbum, nur eben noch einen Schritt stimmiger, konsequenter, emotionaler – quasi die sprichwörtliche „Schippe obendrauf“, die Gutes verheißen lässt. Schade eigentlich, dass der Rest des Albums hier nicht mithalten kann.

Denn schon mit dem nächsten Song („Absorber“) wird klar, dass HEISSKALT auf Longplayer Nummer zwei einige Stilbrüche vorbereitet haben. Während die Strophen die Grenzen zwischen Indie- und Postrock gekonnt umspielen, driftet der seltsam zusammengesampelte Refrain in derart spacige Sphären ab, dass es schwer fällt, die Entscheidungen der vier Musiker wirklich nachzuvollziehen. Dass der C-Teil des Songs dann klingt wie instrumental gespielter Underground-Techno hilft ebenfalls nicht besonders weiter. Mit „Nacht ein“ beginnt nachfolgend ein Block an Songs, der die Marschroute von HEISSKALT 2016 relativ deutlich charakterisiert: Weniger Tempo, weniger raue Emotion, dafür eher triste Melancholie mit gelegentlichen Ausbrüchen in den Noiserock-Bereich.

Prinzipiell wird die Fortsetzung von Songs wie „Gipfelkreuz“ oder „Bestehen“ vom ersten Longplayer vorexerziert, allerdings leider ohne einen ähnlichen roten Faden im Songwriting, ohne die ganz großen Highlight-Momente und ohne den selben emotionalen Einschlag. Der Gesang wirkt bei Zeiten lustlos und beliebig, teilweise sind auch die Texte an der Grenze des Erträglichen („Lied über Nichts“). Instrumental hat man beizeiten das Gefühl, dass die geradlinigen aber cleveren Rhythmen an Bass und Drums ihre liebe Mühe damit haben, eine Gitarrenmelange aus Sustain und Feedback überhaupt irgendwie zusammenzuhalten.

Man muss HEISSKALT sicherlich zu Gute halten, dass man sich auf „Vom Wissen und Wollen“ weiterentwickelt hat und eine musikalische Nische besetzt, in der sich wenig andere Bands tummeln. Allerdings hatte man dies auch auf Longplayer Nummer eins geschafft, der mir eine gute Spur besser gefällt, obwohl „Vom Wissen und Wollen“ natürlich auch seine Momente hat. Leider scheint es aktuell allerdings für Bands Usus zu sein, am Schatten der eigenen Vorgänger-Releases zu scheitern. Immerhin können sich HEISSKALT hier neben Bands wie FOUR YEAR STRONG oder SAOSIN in prominenter Gesellschaft wähnen.

Wertung: (5 / 10)

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