Sadistico – Play Misty for Me (USA 1971)

sadisticoLange vor „Eine verhängnisvolle Affäre“ gab es „Sadistico“. Woher der hiesige Titel – als Alternative dient „Tödliche Melodie“, als Zusatz „Wunschkonzert für einen Toten“ – rührt, bleibt fraglich. Denn mit der originalen Namensgebung „Play Misty for Me“ ist er kaum in Einklang zu bringen. Die ist zugleich eine Anweisung, die eine zunächst unbekannte Anruferin dem erfolgreichen Radio-DJ Dave Garver wiederholt zukommen lässt. „Misty“ ist ihr Lieblingslied und der Mann am Mikrophon Objekt ihrer Begierde. Nur ist das holde Groupie nicht allein obsessiv, sondern auch psychopathisch veranlagt. Doch als Dave das erkennt, ist es fast zu spät.

Mehr Plot braucht es nicht in Clint Eastwoods Regiedebüt, das im selben Jahr wie der Klassiker „Dirty Harry“ entstand. Von dessen Schöpfer Don Siegel ist Eastwoods Inszenierungsstil gerade in den Siebzigern und Achtzigern deutlich beeinflusst. Dass Siegel als Barkeeper Murphy eine Gastrolle in „Sadistico“ einnimmt, erscheint da fast selbstverständlich. Im Gegensatz zum unerbittlichen Großstadt-Cop Harry Callahan ist Kleinstadt-Radiomoderator Dave Garver jedoch vornehmlich Opfer. Für Steve McQueen soll das Grund genug gewesen sei, die Rolle abzulehnen. Also übernahm Eastwood auch diesen Part und konterte das Image des knurrigen, in europäischen und amerikanischen Western stilprägenden Schlagetots. Wirklich gefordert wird er dabei allerdings nicht.

Trotz eines verdienten Evergreen-Status finden sich im Oeuvre des heute 85-jährigen deutlich bemerkenswertere Werke. Für Eastwoods Entwicklung ist es dennoch ein wichtiger Film. Nur wirkt der Psycho-Thriller abseits der stark aufspielenden und für einen Golden Globe nominierten Jessica Walter („Die Clique“) nicht selten bieder. Sie ist Evelyn Draper, jene getriebene Bewunderin, die Dave umgarnt und mit bedrohlicher Vehemenz in sein Leben drängt. Ihr aufbrausendes Temperament und rasende Eifersucht verhageln ihm ein lukratives Jobangebot und münden in Gewaltausbrüche, als Dave neuerlich mit seiner Ex, der Künstlerin Tobie (Donna Mills, „Die Männer von Stepford“), anbandelt.

Eastwoods Lebemann Dave, der in Evelyn kaum mehr sieht als eine weitere Eroberung, bleibt im aufkommenden Psycho-Terror nicht allein hilf-, sondern auch farblos. Jessica Walter hingegen reißt den Film mit ihrer zwischen Verletzlichkeit, Hysterie und Kaltblütigkeit taumelnden Performance konstant an sich. Verschiedene Nebenfiguren, etwa Daves schwarzer und (natürlich) Drogen zugeneigter Kollege oder Tobies übertrieben tuntiger schwuler Freund entsprechen Stereotypen, die den Zeitgeist der frühen Siebziger aus konservativer Perspektive in ein wenig rühmliches Licht stellen. Besser weg kommt da Carmel-by-the-Sea. Die Kleinstadt, in der Eastwood 1986 zum Bürgermeister gewählt wurde, bietet einen idyllischen Kontrast zur holzschnittartigen Geschichte. Die verfügt zwar über spannende Momente, ragt aus den übergroßen Fußstapfen Alfred Hitchcocks letztlich aber kaum heraus.

Wertung: (6 / 10)

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