Heartbreak Ridge (USA 1986)

heartbreak-ridge„My name’s Gunnery Sergeant Highway and I’ve drunk more beer and banged more quiff and pissed more blood and stomped more ass that all of you numbnuts put together.“ – Herzlich: Tom Highway

Clint Eastwood ist eingefleischter Patriot und mehr noch eiserner Republikaner. In den Filmen des Schauspielers und Oscar-prämierten Regisseurs ist davon gemeinhin wenig zu spüren. Eine Ausnahme ist „Heartbreak Ridge“, in dem er ein undifferenziertes Loblied auf das US-Militär anstimmt. Als Armee-Schleifer Gunnery Sergeant Tom Highway läuft Eastwood mit überspitzten Macho-Allüren und herrlich trockenen Sprüchen zwar zu Hochform auf, der Rest jedoch ist dramaturgisch ungelenk und in relevanten Nebenrollen obendrein weitgehend schwach besetzt.

Der amüsante Auftakt zeigt jenen ‚Gunny‘ Highway im Knast, wo er gebannten Zuhörern alte Kriegskamellen auftischt und einem vorlauten Fleischklops per Faustschlag Respekt einbläut. Mit mangelnder Achtung hat er allerdings vorrangig selbst zu kämpfen, schließlich wird er dem Richter vorgeführt, weil er im Suff auf einen Polizeiwagen gepinkelt hat. Highway ist ein Soldat vom alten Schlag, vaterlandstreu, grimmig und mit gesunder Eigeninitiative. Das hat ihm in Korea und Vietnam zahlreiche Orden eingebracht, lässt ihn als in der Moderne (im Film des Jahres 1983) gestrandeten Dinosaurier aber auf Autorität pfeifen. Bevor ihn die Vorgesetzten endgültig aufs Altenteil schieben, will er jungen Rekruten noch einmal den entscheidenden Schliff verpassen.

Also lässt er sich auf seine angestammte Heimatbasis versetzen und macht unterwegs die Bekanntschaft des schrillen schwarzen Musikers ‚Stitch‘ Jones (überdreht: Mario Van Peebles, „New Jack City“). Der bringt ihn während einer Rast um Barschaft und Fahrkarte, staunt aber nicht schlecht, als ihm Highway wenig später als neuer Vorgesetzter gegenübersteht. Jones ist Teil einer Aufklärungseinheit, die als Haufen disziplinloser Außenseiter lieber eine gute Zeit hat als militärischen Drill zu erfahren. Mit harter Hand gelingt es Highway, den Widerstand der faulen Bande zu brechen und sie – sehr zum Unwill des unerfahrenen Basiskommandeurs Powers (Everett McGill, „Das Haus der Vergessenen“) – zur Vorzeigetruppe zu formen.

Keine Frage, Eastwood macht als Gunny Highway großen Spaß. Wenn er ohne Mühe den brockigen „Schweden“ ausknockt, mit dessen Hilfe die aufmüpfige Einheit hofft, den alternden Paradekrieger in die Schranken zu weisen, bleibt kein Auge trocken. Dieser mit Abstand beste Teil des Films erinnert an klassische Außenseiterplots aus dem College- und/oder Sportmilieu, bei dem die scheinbar Chancenlosen über sich hinauswachsen. Daneben sucht Highway den Kontakt zu Ex-Frau Aggie (Marsha Mason, „Der Untermieter“). Die ist mit einem Barbetreiber (Bo Svenson, „Ein Haufen verwegener Hunde“) liiert, wird vom grimmigen Charme des Verflossenen, der durch die Lektüre von Frauenmagazinen versucht, das weibliche Geschlecht zu ergründen, aber schrittweise erweicht.

In diesen durchaus stimmigen Szenen schwingt Lakonie mit. Denn die Chancen auf einen erfüllten Lebensabend abseits des Militärs stehen für Vollblutsoldaten wie Highway eher schlecht. Was das von Eastwood auch als Regisseur und Produzent verantwortete Action-Drama letztlich aus der Bahn wirft, ist der zwangsläufige Kampfeinsatz der eisern geformten Nachwuchsverteidiger von Völkerrecht und Vaterland. Der Schlussakt fällt mit der Invasion von Grenada undifferenziert und flach aus. Die Stimmung im Gefecht gleicht einem launigen Männerausflug und die eingestreuten Gefechte haben weder Wucht noch Spannung. So bleibt „Heartbreak Ridge“ trotz stattlichem Unterhaltungswert und Ausbilderfilm-Kultstatus eine zwiespältige Angelegenheit, die nie die richtige Balance zwischen patriotisch und aufmüpfig, konservativ und schrill findet.

Wertung: (7 / 10)

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