Agenten sterben einsam (GB/USA 1968)

agenten-sterben-einsam„Broadsword calling Danny Boy…“ – Geriet zum Klassiker: Smiths Einleitung bei Funkgesprächen

Fernab der Realität auf geheimer Mission. Für Charakterdarsteller Richard Burton („Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“) und den auch in Amerika Fuß gefassten Western-Star Clint Eastwood („The Good, the Bad and the Ugly“) bedeutete das anno 1968 kein Problem. Als alliiertes Sonderkommando stoßen sie während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland vor, um einen abtrünnigen Offizier aus einer schwer bewachten bajuwarischen Bergfeste zu befreien. Das Skript zu „Agenten sterben einsam“ – im an Shakespeare angelehnten Original „Where Eagles Dare“ betitelt – lieferte Alistair MacLean („Die Wildgänse kommen“), der daraus gleich noch einen erfolgreichen Roman zimmerte. Zielgruppe sind also vornehmlich Männer – oder große Jungs, die von Hollywood-Abenteuern im James Bond-Stil einfach nicht genug bekommen können.

Der von Brian G. Hutton („Stoßtrupp Gold“) gefertigte Action-Thriller arbeitet das Vorgeplänkel in Rückblenden ab und steigt gleich mit der Landung des britischen Majors Smith (Burton) und einer Handvoll Untergebener über Feindesland ein. Einer überlebt bereits den Fallschirmsprung nicht und da Smith nicht an Zufälle glaubt und der heimische Geheimdienst den Feind ohnehin längst in den eigenen Reihen wähnt, bleibt Vorsicht das oberste Gebot. Davon ausgenommen ist der Amerikaner Schaffer (Eastwood), der keinerlei Bande zum britischen Stab aufweist und daher kaum als Maulwurf in Frage kommt. Er hält Smith den Rücken mit buchstäblichem Feuereifer frei und hinterlässt mehr Leichen als in jedem anderen Film mit Eastwoods Beteiligung. Dass der neben Vollblut-Trinker Burton nur die zweite Geige spielt, dürfte ihm angesichts der körperlichen Performance (und einem Gagenscheck über 800.000 Dollar) kein Kopfzerbrechen bereitet haben.

In „Men on a Mission“-Filmen sind die Ziele immer abgeschottet, schwer bewacht und faktisch uneinnehmbar. So auch Schloss Adler, eine Kommandozentrale des deutschen Geheimdienstes. Deren Infiltration, bei der die eingeschleuste Mary (Mary Ure, „Big Horn“) behilflich ist, wird zwar dezent gedehnt ausgebreitet, stellt das Heldengespann aber vor keine echten Probleme. Das liegt auch daran, dass im Original nur Englisch gesprochen wird (bei den Film-Deutschen mit Akzent), so dass sich Burton und Co. erstaunlich unerkannt inmitten des Feindes bewegen können. Um Realismus schert sich hier aber generell niemand, Hauptsache der moderate Spannungsbogen bleibt erhalten und Nazideutschland geht am Ende – zumindest partiell – in Rauch auf. Denn dem gemäßigten Vorlauf, in dem MacLean ausreichend falsche Fährten legt, um die Frage nach dem Wer und Warum bis zum Ende interessant zu gestalten, folgt im Schlussdrittel der Action-Overkill.

Der deutsche Titel erweist sich dabei nachhaltig als Käse. Treffender wäre wohl: „Nazis, die in Scharen sterben“. Allein Eastwoods Trigger Happy-Supermann Schaffer sorgt für immense Verluste und spaziert mit einem Koffer voller Sprengsätze locker durchs Schloss. Mit Explosionen und Budenzauber macht der Streifen mächtig Laune und Burtons (in luftige Höhen kopierter) Kampf auf dem Dach einer Seilbahngondel sorgt für Nervenkitzel nach Bauart der alten Schule. Anbei nehmen Hitlers Helfer in Sachen Treffsicherheit – und Verschleißfreude – die Sturmtruppen aus „Star Wars“ vorweg. Mit Eastwood und Burton an der Front wäre der Zweite Weltkrieg vermutlich binnen weniger Wochen vorüber gewesen. So aber bleibt klassisches Hollywood-Kintopp mit praller Action, munteren Stars und einem bunten Strauß roter Heringe. Auch heute noch ein echtes Spektakel!

Wertung: (7,5 / 10)

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