Ryker’s – Never Meant to Last (2015, Beatdown Hardwear)

rykers-never-meant-to-lastWenn Bands ihren Sänger wechseln, grassiert in Fankreisen oft die Angst, der Charakter und damit verbunden die musikalische Identität könne abhanden kommen. Im Hardcore werden solche Diskussionen meist milde belächelt. SHAI HULUD etwa haben ihren Frontmann gleich mehrfach erneuert und bei COMEBACK KID kräht heute kein Hahn mehr nach Ur-Schreihals Scott Wade. Als RYKER’S unlängst verlauten ließen, Stimmgewalt Kid-D. würde den Kasselern nach 23 Jahren den Rücken kehren, blieb das große Jammern und Zähneknirschen ebenfalls aus. Zumindest weitgehend.

Denn vor ihrer 2013 gefeierten Reunion – nach insgesamt 13-jähriger Abstinenzphase – waren sie ungeachtet von Erfolg und Reputation ohnehin kaum mehr als ein wiederkehrender Name auf Kapuzenpullovern bei Konzerten und Festivals. Um Charakter und Identität muss man sich trotz neuem Mann am Mikro aber keine Sorgen machen. Segeant D. (zuvor u.a. bei TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN und BRIGHTSIDE aktiv) steht dem Vorgänger in Sachen leidenschaftlicher Grölattacken in nichts nach und erinnert nicht selten an Roger Miret, dessen AGNOSTIC FRONT seit jeher eine der Hauptinspirationsquellen für das Wirken von RYKER’S waren. Entsprechend ist auch das das siebte Studioalbum der Hessen, „Never Meant to Last“, ein wuchtiger Wutklumpen in 14 Akten.

Der geht, wie bereits der Auftakt „My Demons“ unterstreicht, schwer nach vorn, bietet mit Mid-Tempo-Stampfern wie „Pig Justice“ aber auch hymnisch angehauchte Abwechslung. Für erhobene Fäuste und Chöre sollten aber insbesondere Smasher wie „The Outcast’s Voice“ oder „Back of the People“ sorgen. Illustre Gastakteure wie Mike Dijan (CROWN OF THORNZ, bei „Fair Play Overrated“), Samuel El Action (SCHEISSE MINNELLI, bei „We Ain’t Going Away“) oder Craig Ahead (SICK OF IT ALL, bei „Distractions“) sorgen für zusätzliche Reizpunkte, muntere Tempowechsel und Metal-Einflüsse erledigen den Rest. Damit wirken RYKER’s nicht nur eine Idee frischer als auf „Hard to the Core“, sondern stehen auch weiterhin für die beständige Reizauslotung der alten Schule des Hardcore.

Wertung: (7 / 10)

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