Freiburg – Brief & Siegel (2015, This Charming Man Records)

freiburgbrief „Wenn schon Scheiße, dann am Fuß!“ (aus „Der Fall ins Messer“)

Zwischen Bielefeld und Paderborn liegt der Hund begraben. Andere empfinden Ostwestfalen als Hochburg von Spießigkeit und kleinbürgerlicher Langeweile. FREIBURG stammen aus Gütersloh und wohnen quasi mittendrin im Geschehen. Die Band hätte demnach alle Möglichkeiten, mit Vorurteilen jedweder Art aufzuräumen. „Brief & Siegel“ ist davon jedoch meilenweit entfernt. Denn mit ihrem dritten Album präsentieren sich FREIBURG als wütende Einheit, die in ihren Texten Einzelschicksale bzw. Alltags- und Gesellschaftswahnsinn verarbeiten.

„Brief & Siegel“ gleicht dabei mitunter einer Achterbahnfahrt. Das Album hat seine ruhigeren, melancholischen Momente. Besonders beim finalen „Es ist vergangen“ überkommt den Hörer eine gewisse tragische Schwere, während das Stück gleichzeitig zu den eingängigsten vom Album gehört. Als potentieller Hit empfiehlt sich das ebenso melancholische wie melodische „Sommer, Roggen und Er“, bei dem DÜSENJÄGER-Frontmann Tobi Neumann mit an Bord ist.

Richtig groß trumpfen FREIBURG jedoch dann auf, wenn sie sich richtig auskotzen. „Große Träume, wa“ ist ein wildes, heftiges Stück mit viel Geschrei, welches lediglich von „Kanüle Abwärts“ getoppt wird. Hier schreit sich ihr Sänger in mehr als drei Minuten die Seele und seinen politischen Frust aus dem Leib. Größer haben es auch die großen des intelligenten deutschsprachigen Punkrocks nicht hingekriegt.

Mit ihrem dritten Album haben FREIBURG einen der interessantesten deutschsprachigen Beiträge des Jahres veröffentlicht. Wer auf TURBOSTAAT, PASCOW oder EA80 steht, der sollte dem Quartett eine Minute schenken. Es werden garantiert einige mehr folgen.

Wertung: (8 / 10)

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