Zebrahead – Walk the Plank (2015, Rude Records)

zebraheadwalk Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchem Arbeitseifer ZEBRAHEAD seit nunmehr fast 20 Jahren ihr Ding konsequent durchziehen. „Walk The Plank“ ist das bereits 12. Album der Band aus Orange County und Ermüdungserscheinungen sind auch darauf nicht zu hören. Vielmehr schaut die Band immer wieder über den eigenen Tellerrand hinaus. Nichtsdestotrotz gehen sie auch ihr neues Werk in ihrer unnachahmlich chaotischen Art und Weise an.

Sinn und Zweck ist es seit jeher, möglichst launig (und gern auch jugendfrei) zu unterhalten. Mit dieser Tradition bricht auch „Walk the Plank“ nicht. Der Opener „Who Brings a Knife to A Gunfight“ ist ein tempolastiger, tanzwütiger Mischling aus Eingängigkeit und Hektik. Überraschend klingen die orientalischen Elemente, die dem Song gerade eingangs eine eigene Note verleihen. Die Band bleibt sich und ihrer Linie allerdings weitgehend treu. „Worse Than This“ im Anschluss verbindet in gewohnter Manier Sprechgesang und hymnischen Pop-Punk, gleiches gilt unter anderem für „Running With Wolves“. Rockig, laut und wild wird es bei „Headrush“, während mit „So What“ oder „Keep It to Myself“ auch ruhigere, chillige Momente für einen lauen Sommerabend mit an Bord sind.

Zwischen all den Gute-Laune-Songs ist die Botschaft jedoch nicht immer zuckersüss und rosig. „I’m sick and tired of everyone and everything I know“ heißt es zum Beispiel bei „Keep It To Myself“. Der Inhalt steht stellenweise in Kontrast zu den (heiteren) musikalischen Auswüchsen. So bunt und zünftig es – vor allem bei ihren Auftritten – auch zugehen kann, die Band kann nicht nur Pennäler-Humor mit dem Holzhammer. „Rock the Plank“ ist ein gewohnt gutes, erstaunlich abwechslungsreiches Album der Spaßmacher. Und dabei soll es ja in erster Linie auch gehen.

(Christian)

Mit ZEBRAHEAD hat der Crossover den Pop-Punk erreicht. Die Kalifornier inszenieren sich selbst als Wundertüte, setzen auf Sprechgesang und Alternative-Anleihen und tragen live mit Waschbrettbauch, Cocktailstand und Sonne-aus-dem-Arsch-Mentalität meterdick auf. Textlich hingegen widmen sie sich bevorzugt düsteren Themen, solchen wie Depression und Isolation. Dieses Paradoxon hat ihnen weltweit viele Fans beschert und zieht sich als roter Faden auch durch ihr neuestes Werk „Walk the Plank“. Mit Piraterie hat die Scheibe also selbst im übertragenden Sinne wenig gemein. Gefallen müssen Band und Auftreten sicher nicht. Angesichts der Qualität ihres mittlerweile 12. (!) Langspielers fällt es jedoch schwer, ihnen nicht zumindest beachtliches Geschick zu attestieren.

Denn „Walk the Plank“ überzeugt durch einen bunten Mix aus Stilen und Klangfarben. Der Opener „Who Brings a Knife to a Gunfight“ beginnt mit Sitarklängen und streift russische Folklore. ZEBRAHEAD sind neuerlich auf gute Laune gepolt, daran ändern auch programmatisch betitelte Songs wie „Worse Than This“ oder „Wasted Generation“ nichts. Erstgenannte Nummer entspricht klassischem Pop-Punk mit lässigen Rhythmen und einem Refrain, der schnell mitgesungen werden kann. Den Weg des geringsten Widerstands beschreitet das Quintett in der Folge trotzdem nicht. Denn um die Vielzahl an Einflüssen unter einen Hut zu bringen, muss Vielseitigkeit nicht bloß angedeutet, sondern grundlegend vorgelebt werden.

Bei „Headrush“ ist es Rock, bei „Keep It to Myself“ lässiger Gitarren-Pop, beim auf Radiofrequentierung gepolten „So What“ Hip-Pop im CRAZY TOWN-Stil. „Save Your Breath“, „Kings of the Here and Now“ oder das erwähnte „Wasted Generation“ hingegen rücken Punk-Rock und Hardcore in den Vordergrund, wobei selbst Metal-Gitarren einfließen dürfen. Und selbst damit ist, wie das zart Rock ‘n Roll-beeinflusste „Battle Hymn“ zeigt, noch längst nicht das Ende der Wandlungsfähigkeit erreicht. Trotz der zahlreichen Inspirationsquellen wirkt „Walk the Plank“ wie aus einem Guss und steht der Konservenqualität kommerzieller Vorzeige-Combos wie GREEN DAY oder BILLY TALENT kaum hinterher. Eine insgesamt überraschend ausgewogene und vor allem starke Platte.

(Thomas)

Wertung: (7 / 10)

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