Rubber (F 2010)

rubberSo absurd ist die Idee eines Killer-Reifens nun auch wieder nicht. Wer den Killer-Rasenmäher („Blades“) oder den Killer-Kühlschrank („Der Kühlschrank“) kennt, der dürfte sich auch über einen rollenden, telekinetisch begabten und bevorzugt jegliche Lebensform auslöschenden Reifen nicht allzu sehr wundern. Auch wenn dieser aus unerklärten Gründen zum Leben erwacht und erst mal grundlos Vögelköpfchen zum Bersten bringt. Dass die Prämisse von „Rubber“, die gleich zu Beginn per erklärendem Voice-Over offenbart wird, weniger trashig und um einiges paradoxer als bei den oben genannten Werken ausfällt, war vielleicht nicht unbedingt zu erwarten.

Die Reise Roberts, wie der Kautschuk-Kamerad genannt wird, führt nämlich um einiges tiefer in die wunderbare Welt des Absurden. Der Trailer mochte den Eindruck eines skurrilen Horrorfilms vermitteln. Doch bietet „Rubber“ weit mehr als die durchschnittliche Befriedigung gewohnter Unterhaltungsformen. Die Evolution Roberts wird von einer bunt zusammengewürfelten Truppe verfolgt, die mit Ferngläsern in der Wüste ausharrt und tatsächlich glaubt, einen Film vor der Linse zu haben. Dumm nur, dass sie durch kollektive Truthahn-Vergiftung dahingerafft werden. Da ein Film ohne Publikum aber keinen Sinn macht, entscheiden die Schauspieler einfach, nach Hause zu gehen.

Doch man hat sich zu früh gefreut, einer der Zuschauer hat überlebt. Die Show muss also weitergehen und lässt Robert schlussendlich auf einer Müllverbrennungsanlage Zeuge eines Reifen-Genozids werden. Fortan kennt sein Zorn keine Grenzen mehr. Als dem letzten verblieben Zuschauer die Handlung aber zu grotesk wird, mischt er sich auch noch in das Geschehen ein. Waren die bisherigen Filme über zum Leben erwachte Mörderautos bereits reichlich abstrus, darf die Reduzierung des Stoffes auf einen Reifen als Sublimierung der Absurdität betrachtet werden. Die Idee der verschiedenen Meta-Ebenen allerdings dürfte klassische Horrorfreunde dezent überfordern.

Ist aber alles halb so schlimm, schließlich ist Quentin Dupieux alias „Mr. Oizo“ (genau, der Erfinder von Flat Eric) für „Rubber“ verantwortlich. Seine ersten beiden Filmwerke „Nonfilm“ (2001) und „Steak“ (2007) brechen nicht minder mit den normierten Sehgewohnheiten des auf konventionelle Unterhaltung eingestellten Zuschauers. Trotz des schrägen Fundaments überzeugt „Rubber“ aber nicht durchweg. Er ist schlicht zu lang. Was als Kurzfilm sicher blendend funktioniert hätte, erschöpft sich nicht selten in relativer Ereignislosigkeit. So wird ´Robert the Rubber´ leider nicht zum Michael Myers des Arthouse-Films. Irgendwie schade.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

 

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