Red Dawn – Die rote Flut (USA 1984)

reddawn84Das Fass des kinematischen US-Hurra-Patriotismus zum Überlaufen brachte „Red Dawn – Die rote Flut“. Autor Kevin Reynolds (Regisseur von „Robin Hood – König der Diebe“) und Inszenator John Milius („Conan – Der Barbar“) basteln sich bereits in den einleitenden Texttafeln ein Schreckensszenario globalen Ausmaßes. Nach dem stehen die USA, als die Grünen in Deutschland an die Macht kommen und den militärischen Patt zwischen Ost und West aufweichen, die Russen den Vormarsch wagen und sich mit Kubanern und etwaigen südamerikanischen Schurkenstaaten verbünden, praktisch alleine da.

Als diese große Nation also von allen Verbündeten im Stich gelassen wird, erfolgt die feindliche Invasion. Milius bricht sie auf einen Landstrich im mittleren Westen herunter, wo eine Gruppe Jugendlicher, schließlich werden die Erwachsenen eingekastelt und gleich reihenweise exekutiert, den Guerilla-Krieg probt. Der Widerstand wird zum Schaulaufen der Jungstars, wenn das „Dirty Dancing“-Paar Patrick Swayze und Jennifer Grey sowie Charlie Sheen („Wall Street“), C. Thomas Howell („Die Outsider“) und Lea Thompson („Zurück in die Zukunft“) zur Flinte greifen.

Erst wollen sie die Situation in den nahen Bergen aussitzen. Doch nachdem die Barbarei der Besatzer nicht mehr tatenlos zu ertragen ist, beginnen die ´Wolverines´, so ihr gern gerufener oder auf Fahrzeugwracks gepinselter Kampfname, mit gezielten Attacken Einfluss auf den Verlauf des Krieges zu nehmen. Von Hass getrieben wird gleiches mit gleichem vergolten. Dass den Kids dabei die Menschlichkeit abhanden kommt, stört im Strudel der Gewalt wenig. Nicht umsonst beschränkt sich die Charakterisierung der jungen Freischärler auf Scheibenschießen und Phrasendreschen.

Nuancierter kommt da noch Ron O´Neal („Der Bulldozer“) als kriegsmüder Offizier Bella weg. Der ist es gewohnt selbst im Untergrund zu kämpfen und kann mit der Rolle des Aggressors wenig anfangen. Warum er das Areal nicht trotzdem nach den Aufständischen durchforsten lässt, bleibt der haarsträubenden Eigenlogik des Skripts geschuldet. Der haben auch Nebenakteure wie Ben Johnson („The Wild Bunch“), Harry Dean Stanton („Die Klapperschlange“) und Powers Boothe („Die letzten Amerikaner“) – als abgeschossener und zu den Rebellen stoßender Kampfpilot – nichts entgegenzusetzen.

Zu Recht war „Red Dawn“ viele Jahre verrufen und indiziert. Aber die Zeiten ändern sich. Natürlich kann man sich auch heute noch trefflich am ideologisch verwerflichen Kriegstreiben, dem schwülstig aus allen Poren triefenden Pathos und der übertriebenen Gewalt stoßen. Doch wozu? Der Zahn der Zeit hat den politischen Zündstoff des hohlen Spektakels längst entschärft. Übrig bleibt ein recht langatmiger, immerhin aber ordentlich produzierter Actionfilm mit schicken Landschaftsbildern und endzeitlicher Atmosphäre. Ein paar unfreiwillige Lacher sind auch dabei, so dass der Unterhaltungswert des haltlos dämlichen Streifens durchaus beachtlich ausfällt.

Wertung: (4 / 10)

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