Ausgelöscht (USA 1987)

extremeprejudiceMit „Ausgelöscht“ trieb Action-Spezi Walter Hill („Straßen in Flammen“) seine Verehrung für Sam Peckinpah auf die Spitze. In Optik und Schnitt ist der moderne Western eine Hommage an „The Wild Bunch“ (1969). Nick Nolte („Farewell to the King“) steht als unbestechlicher Texas Ranger Jack Benteen seinen Mann im Kugelhagel. Gegen Jugendfreund Cash Bailey (Powers Boothe, „Die letzten Amerikaner“), nun mächtiger Drogenhändler, zieht der stoische Gesetzeshüter in einen erbarmungslosen Kleinkrieg. Neben Gerechtigkeit geht es auch um die Liebe einer Frau. Sarita (Maria Conchita Alonso, „Colors“), Cashs Ex-Geliebte, ist nun mit Jack liiert. Als der Gangster sie entführt, kommt es in der Höhle des Löwen zum unausweichlichen Duell.

Trocken und gewaltreich zeigt Walter Hill die Bandbreite seines Könnens. An der Drehbuchvorlage schrieb John Milius („Conan – Der Barbar“) mit. Als entsprechend schnörkellos erweist sich der Plot. Das staubige ambiente des texanischen Grenzgebietes scheint das Rad der Zeit zurück zu drehen. Wären die Feuerwaffen nicht der moderne entrissen, „Ausgelöscht“ ginge als klassischer Western durch. Die Fronten sind klar abgesteckt, Gut und Böse deutlich erkennbar. Ein Hauch von Anachronismus umweht auch den knurrigen Nick Nolte. Sein Jack Benteen ist ein Sheriff der alten Schule. Vollautomatischer Bewaffnung zieht er die Winchester vor.

Trotz kleinerer Längen ist die Verbeugung vor Sam Peckinpah ein hervorragender Actionfilm. Der Subplot um die Spezialeinheit des undurchsichtigen Major Hackett (Michael Ironside, „Total Recall“) – unter anderem Clancy Brown („Highlander“) und William Forsythe („Palookaville“) – ist wenig sinnig, beschert dem Film aber manch spektakulären Knalleffekt. Schauspielerisch ein Sackbahnhof harter Kerle, sticht Powers Boothe als Schurke mit Hang zur Theatralik hervor. Der Drogenbaron im weißen Anzug ist desillusioniert, allen voran gelangweilt. Der Konflikt mit dem einstigen Freund Jack gibt seinem Leben, wenn schon keinen Sinn, so wenigstens Abwechslung.

Am Ende präsentiert Walter Hill seine Interpretation des infernalischen Todesballetts aus „The Wild Bunch“. Beiläufigkeiten der im Bleigewitter krepierenden Statisten inszeniert der Regisseur eng am Original. Blut spritzt, Menschen stolpern durch Maschinengewehrsalven, brechen über rustikalem Mobiliar tot zusammen. Nachdem sich die Reihen gelichtet haben folgt das bereinigende Duell. Benteen und Bailey, Mann gegen Mann. Wie im klassischen Western wird der Zweikampf auf Leben und Tod als sublimierende Notwendigkeit im Gleichgewicht der Kräfte zelebriert. Die Huldigung eines totgesagten Genres gelang selten stilsicherer als in diesem Falle.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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