Puerto Vallarta Squeeze (USA/MEX 2004)

puerto-vallarta-squeezeScott Glenn ist ein Wanderer zwischen den Sphären der Filmindustrie. Zahlreichen Nebenrollen in Hollywood-Großproduktionen – unter anderem spielte er in „Das Schweigen der Lämmer“, „Absolute Power“ und „Training Day“ – stehen Engagements in Independent- und B-Movies gegenüber. Den Hauptdarsteller gibt Glenn nur selten, besser versteht er sich auf den Glanz im Hintergrund. Bei „Puerto Vallarta Squeeze“ ist der Charaktermime trotz tragender Rolle ganz in seinem Element.

Er spielt den Scheißkerl und Mörder in Kombination mit dem klugen Denker und traumatisierten Kriegsveteranen. Mit dieser Diskrepanz trägt Glenn das lakonische Road-Movie, das in seinen besten Momenten an Peckinpahs „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“ erinnert. Sein Clayton Price mordet im Auftrag der US-Regierung. Als er in Mexiko zwei Menschen tötet, ruft dies den CIA-Agenten McGrane (Harvey Keitel, „Bad Lieutenant“) auf den Plan. Gewünscht war nur ein Mord, mit dem zweiten bereinigte der Attentäter im Staatsdienst eine persönliche Angelegenheit.

Das zu erwartende Psychoduell der alten Hasen bleibt aus. Keitel nimmt nur wenig Raum in der Geschichte ein, die ihr Augenmerk deutlicher auf Prices Flucht durch das mexikanische Hinterland legt. Zu diesem Zweck engagiert er den abgebrannten Schriftsteller Danny Pastor (blass: Craig Wasson, „Epoch“) als seinen Fahrer. Mit an Bord ist auch Dannys Geliebte, die ehemalige Prostituierte Maria (Giovanna Zacarías, „Die Legende des Zorro“). Als der spendable Beifahrer im Zuge einer Passkontrolle drei mexikanische Polizisten erschießt, nimmt er seine Begleiter als Geisel. Dabei kommt er Maria näher, als es Danny lieb sein könnte.

Mit gediegenem Tempo und schwüler Atmosphäre bringt Regisseur Arthur Allan Seidelman („Herkules in New York“) die Verfilmung eines Romans von Robert James Waller auf die Straße. Dreh- und Angelpunkt ist Scott Glenn, der die Narben als stoischer Killer nicht nur auf der Seele, sondern gleich am ganzen Körper trägt. Für die Sichtbarmachung seiner inneren Zerrissenheit bedient sich Seidelman simpler Symbolik. Wiederkehrende Träume in Gestalt surrealer Variete-Sequenzen, in denen der Mensch Price den aus ihm entsprungenen Mörder peinigt. Wie in seinen Alpträumen fehlt ihm das Netz, welches den Sturz in die Tiefe auffängt.

Bedauerlicherweise fehlt es dem Plot an Ausdauer und Konsequenz. Ausdauer, um Längen zu vermeiden, Konsequenz, den Schlusspunkt abseits vorhersehbarer Pauschaldramatik zu setzen. „Puerta Vallarta Squeeze“ ist ein durchaus sehenswerter und gut gespielter Thriller, dem es an Straffung und inhaltlicher Geschlossenheit mangelt. Die Dreiecksbeziehung zwischen dem unfreiwilligen Entführer und seinen Geiseln entbehrt der eingangs erreichten Glaubwürdigkeit, das aufgesetzte Finale potenziert dieses Ungleichgewicht. Ein überzeugender Hauptdarsteller und verschenkte Möglichkeiten – diese Treibjagd versandet im verschenkten Schlussdrittel.

Wertung: (6 / 10)

 

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