No Turning Back (GB/USA 2013)

no-turning-back-2013„No matter what the situation is, you can make it good.“ – Ivan Locke

Um ein Vielfältiges Rollenspektrum war Tom Hardy nie verlegen. Ob Blockbuster oder Independent-Produktion, der bullige Brite ist in allen Sujets ansässig. Allerdings liegen ihm fordernde Rollen und getriebene Figuren offenkundig mehr. Seichte Filme wie „Nichts als Ärger“ bilden eher die Ausnahme, das Gros seiner Auftritte absolvierte Hardy in unbequemen oder dezent sperrigen Werken. Man denke nur an seine intensiven Performances in „Bronson“, „Legend“, The Revenant“ oder „Mad Max: Fury Road“. In diesen Zirkel reiht sich auch „No Turning Back“ ein, ein minimalistisches Ein-Personen-Stück, das seinen Hauptdarsteller über rund 80 Minuten beim Autofahren und Telefonieren zeigt.

Leicht macht es Regisseur Steven Knight (als Autor für „Dirty Pretty Things“ Oscar-nominiert) damit weder ihm noch seinem Publikum. Doch das im Original schlicht „Locke“ titulierte Drama fesselt auch ohne Körpereinsatz und konventionelles Spannungsschema. Der Plot lebt von Hardys Präsenz und seiner wiederum beeindruckenden darstellerischen Leistung. Als Ivan Locke steigt er auf einer Großbaustelle am Abend in seinen Wagen und fährt los. Auf dem Weg kommuniziert er über die Freisprechanlage mit verschiedenen Personen. Allerdings steht dahinter kein großes Mysterium, sondern der Wille eines Mannes, für seine Fehler einzustehen. Ivan ist streng rational getrieben. Daher muss es für jedes Problem auch eine entsprechende Lösung geben.

Der Grund für seinen nächtlichen Trip ist schnell erörtert: Auf einer Geschäftsreise verbrachte er die Nacht mit einer Zufallsbekanntschaft. Die wurde schwanger und entschloss sich, das Kind auszutragen. Um beim verfrühten Geburtstermin dabei zu sein und die alleinstehende Bethan (mit der Stimme von Olivia Colman, „Broadchurch“) pflichtgemäß zu unterstützen, fährt Ivan Richtung London. Unterwegs beichtet er den folgenschweren Fehltritt seiner Frau Katrina (Ruth Wilson, „Luther“) und muss dem sichtlich verärgerten Chef (Ben Daniels, „House of Cards“) erklären, warum er als Vorarbeiter das wichtigste Bauprojekt seiner Karriere – wohlgemerkt am Abend vor dem Guss des Betonfundaments – im Stich lässt.

Der konsequent reduzierte Ansatz lässt großzügigen Raum für die Charakterstudie eines Mannes, der sich durch seine Taten um jeden Preis vom Vorbild des verstorbenen, als unsichtbarer Beifahrer auf dem Rücksitz adressierten Vaters abzuheben. Die Konsequenzen seines Handelns interessieren Ivan nur sekundär. So riskiert er Familie und Karriere, um das aus seiner Sicht einzig Richtige zu tun. Wie besessen leitet er zwischen den Beschwichtigungsversuchen von Gattin und flüchtig bekanntem Seitensprung den überforderten Kollegen Donal (Andrew Scott, „Sherlock“) durch die Vorbereitungen der bedeutenden Fundamentierung. Daraus entsteht ein so ungewöhnliches wie ausschnitthaftes Road-Movie, dass sich als Programmkino-Hingucker wohltuend vom filmischen Unterhaltungseinerlei absetzt.

Wertung: (7,5 / 10)

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