P.O. Box – In Between the Lines (Long Beach Records, 2010)

poboxlinesFür ihr erstes Album „…And The Lipstick Traces“ brauchten die französischen Ska-Punker von P.O. BOX stattliche sechs Jahre. Für den Nachfolger gingen nicht wieder ein halbes Dutzend Jahre ins Land, lediglich etwa zwei Jahre sind seitdem erst vergangen. Aber es gibt auch eine Menge zu sagen und für Zurückhaltung steht das Sextett sicherlich nicht. Denn wie schon beim Debüt, so prangern P.O. BOX auch zu Beginn des Jahres 2010 diverse Missstände der Welt an. Allerdings werfen sie nicht mit Phrasen um sich herum wie es andere politisch aktive Bands gern tun, sondern sie legen dar, zeigen auf und erläutern auch die Ursachen ihrer Inhalte wie gewohnt im ausführlichen Booklet. Titel 14 fällt da nochmals aus dem Rahmen, da dieser mehr als „Gedenkminute“ zu sehen ist. 76 Sekunden lang schweigen die Instrumente, jede Sekunde gilt einem Land auf der Welt, in welchem noch immer die Todesstrafe ausgeübt wird. Seine Wirkung verfehlt diese ungewöhnliche Aktion sicherlich nicht.

Musikalisch sind sich die Franzosen natürlich treu geblieben. Abermals gibt es Ska-Punk der schnelleren und heftigeren Sorte zu hören, wobei sie ihm Vergleich zum Vorgänger abwechslungsreicher agieren. Von sonnigen Rhythmen mit Pop-Appeal sind P.O. BOX aber immer noch weit entfernt. Wobei natürlich nicht nur auf die Tube gedrückt wird, auch Midtempo-Songs werden zugelassen, sogar zwei akustische Nummern – wunderbar: „D/E/A/D“ – sind diesmal mit dabei. Aber das Gros liegt eben auf den schnelleren Nummern, wobei auch hier der melodische Aspekt und hymnische Refrains alles andere als eine Seltenheit sind. Gerade die beiden ersten Songs „Everything´s So Wrong“ und „So Milgram Knew It“ sind zu nennen, aber auch „Going To The Court“ brennt sich unweigerlich in die Gehörgänge, bei dem THE FLATLINERS Sänger Chris ebenfalls mit an Bord ist. Das sich dessen rotzige Stimme hervorragend mit dem nicht minder rauen Organ von Sänger Seb ergänzt, kann man sich wohl denken.

Nur eine Sache fällt “negativ” auf. „In Between The Lines“ fehlt ein Überhit wie es „Look What You Have Done“ auf dem Debüt war. Das Album hat fast durch die Bank nur gute bis hervorragende Songs zu bieten, aber keiner kommt für meinen Teil an diesen Titel vom Erstling heran. Nichtsdestotrotz gibt es hier natürlich nichts ernsthaftes zu meckern. Denn P.O. BOX sind eine der wohl interessantesten Ska-Punk-Bands die es derzeit gibt und hier muss man schon das Haar in der Suppe suchen. Großartiges zweites Album das Spaß macht aber auch zum Nachdenken anregt.

Wertung: (8 / 10)

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