Firepower (GB 1979)

firepowerMichael Winner ist ein Regisseur fürs Grobe. Bis in die mittleren 80er hinein drehte er Actionfilme, Krimis und Thriller, die neben kernigen Typen einen Hauch Gesellschaftskritik transportierten. Seine bekanntesten Arbeiten sind Kooperationen mit Charles Bronson, der unter Winners Direktion in „Kalter Hauch“, „Chatos Land“ sowie den ersten drei Teilen der berüchtigten „Death Wish“-Reihe auftrat. Zwischendurch inszenierte er u.a. den auch heute noch gern gesehenen „Scorpio, der Killer“ sowie den weitgehend unbekannten „Firepower“. Dabei weckt letzterer doch schon allein aufgrund der namhaften Besetzung Interesse.

Hollywood-Haudegen James Coburn („Steiner – Das Eiserne Kreuz“) und Ex-Football-Star O.J. Simpson („Flammendes Inferno“) bilden das schlagkräftige Duo Fanon und Catlet. Auf Geheiß der rachsüchtigen Witwe Adele Tasca (Sophia Loren, „The Cassandra Crossing“), deren Gatte im feurigen Auftakt einer Briefbombe zum Opfer fällt, sollen sie den in der Karibik untergetauchten und schwer bewachten Multimillionär Karl Stegner entführen und an die USA ausliefern. Stegner, immerhin drittreichster Mann der Welt, droht wegen verschiedener Vergehen eine Verurteilung. Nur kennt kaum jemand sein wahres Gesicht.

Dem Staatsschutz, vertreten durch Vincent Gardenia („Mondsüchtig“), sind die Hände gebunden. Also sucht man den Kontakt von Mafiosi Hyman (Eli Wallach, „Zwei glorreiche Halunken“), dessen Strafregister für die Organisation der Mission getilgt wird. Sofern sie denn von Erfolg gekrönt ist. Um dies zu garantieren kontaktiert der Gangster seinen alten Freund, Ex-Kopfgeldjäger Fanon. Und der lässt sich von der Arbeit im heimischen Garten gern ablenken, reist mit Catlet und einem Doppelgänger (!) in die Südsee und beginnt Stegners Umfeld, besonders dessen Leibarzt Félix (Anthony Franciosa), zu observieren.

Zuschauer mit einem Faible für Old School-Action und doppelbödige Thriller-Plots dürften in „Firepower“ nostalgische Unterhaltung mit Starbesetzung – inklusive Cameos von Victor Mature („Das Gewand“) und Boxer Jake LaMotta, den Robert De Niro in „Wie ein wilder Stier“ portraitierte – finden. Daneben lässt die wendungsreiche Geschichte aber insbesondere Cleverness vermissen und suhlt sich in abgestandenen Klischees. Kein Wunder also, dass der ursprünglich als „Dirty Harry“-Sequel angelegte Reißer in der Versenkung verschwand. Winners straffe Regie, ein paar gelungene Einfälle (die Verhörmethode in Haigewässern) und der muntere Cast sorgen aber für eine gewisse Kurzweil.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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