Ohne Ausweg (USA 1993)

ohneauswegNach seinem Erfolg mit „Universal Soldier“ wollte Jean-Claude Van Damme das Publikum auch von seinem Nutzen als Charakterdarsteller überzeugen. Diesen Bärendienst sollte ihm die Rolle im Action-Drama „Ohne Ausweg“ erweisen. Die Story besorgten „Rückkehr der Jedi-Ritter“-Regisseur Richard Marquand und „Basic Instinct“-Autor Joe Eszterhas, das Buch zimmerte letztgenannter mit Leslie Bohem („Alamo“) und Randy Feldman („Tango & Cash“). Regie führte Robert Harmon, der Mitte der Achtziger mit „Hitcher – Der Highwaykiller“ ein kleines Thriller-Juwel schuf. Ein ähnliches Kunststück sollte ihm mit „Ohne Ausweg“ nicht gelingen, weshalb er später vornehmlich fürs Fernsehen arbeitete.

Die Gründe für das Scheitern des Films sind schnell ausgemacht. Die Geschichte des flüchtigen Knackis (Van Damme), der einer alleinerziehenden Mutter (Rosanna Arquette, „Pulp Fiction“) gegen einen kriminellen Großgrundbesitzer (Joss Ackland, „Lethal Weapon 2“) beisteht, ist merklich altbacken. „Mein großer Freund Shane“ (1953) ist ein klassischer Vertreter dieses Prinzips, „Ohne Ausweg“ lediglich ein müder Aufguss. Da helfen auch die mit Ted Levine („Monk“), Kieran Culkin („Signs“) und Edward Bletchford („Der letzte Mohikaner“) gut besetzten Nebenrollen wenig.

Die Neuauflage der Mär vom Fremden ohne Namen ist überraschungsarm und frei von Spannung. Für einen Actionfilm ist „Ohne Ausweg“ zu langatmig, für ein Drama verfügt der Streifen über zu wenig Tiefgang. Überdies will Van Damme nicht so recht ins Korsett des gutmütigen Outlaws passen. Denn die von ihm gemimte Figur ist nicht nur schlagkräftig, sondern auch redegewandt. Darüber hinaus kennt sie sich in den Belangen eines Anwalts aus, kann Bagger fahren, Motorräder reparieren und stellt sich jeglichen Gefahren mit Todesmut entgegen. Wie ein solches Omnitalent überhaupt auf die schiefe Bahn geraten kann, bleibt in Anbetracht des schwachbrüstigen Plots konsequent nebulös.

Nach durchaus rasantem Auftakt stellt sich Gemütlichkeit ein. Robert Harmon hat es nicht eilig, die Geschichte vorwärts zu treiben. In der Wildnis des amerikanischen Hinterlandes schlägt Van Damme sein Zelt auf. Über die Annäherung der Filmkinder Rosanna Arquettes tritt der unfreiwillige Held bald auch in ihr Leben – und wirbelt die Gefühlswelt der knackigen Witwe ordentlich durcheinander. Unterbrochen wird die knospende Eintracht nur vom obligatorischen Fressepolieren skrupelloser Konzernschergen. Denn die wollen Mutter Haus und Grund streitig machen, damit im Gegenzug ein schickes Bauvorhaben Realität werden kann.

Bei der soliden Abfuhr naiver Vorhersehbarkeiten rückt die Action merklich in den Hintergrund. Statt dessen wird versucht, mit der Kettensäge an eindimensionalen Charakteren zu feilen. Mit der Folge, dass sich „Ohne Ausweg“ in klischeebeladenen Gefühlsduseleien verfängt. Die unspektakulären Handgreiflichkeiten entschädigen den Genre-Fan da kaum für den unbedarft dialoglastigen Handlungsaufbau. Der Unterhaltungswert des Films ist nicht von der Hand zu weisen, doch ist Van Dammes bemühter Ausflug in die Schauspielerei einfach zu flach, um wirklich überzeugen zu können.

Wertung: (4 / 10)

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