Elektra (USA 2005)

elektraComic-Verfilmungen sind so angesagt wie selten zuvor in der Traumfabrik und jeder noch so kleine Superheld wurde inzwischen mit großem Budget zur Leinwandfigur modifiziert. Doch der Großteil der Verfilmungen floppt(e) und Fans dürften sich nach desaströsen bzw. langweiligen Werken wie „Catwoman” oder „Daredevil” wohl nichts sehnlicher wünschen, als dass Hollywood sich und vor allem seinen Superhelden mal eine kurze Atempause gönnt. Auch „Elektra”, einer der letzten Versuche einer anständigen Comic-Verfilmung, war an den Kinokassen kein Erfolg vergönnt. Eher das Gegenteil war der Fall und nach Halle Berry legte auch Jennifer Garner („Alias”) im „Daredevil”-Spin-Off eine ähnlich spektakuläre kommerzielle Bauchlandung hin.

Elektra (Garner) ist Mythos und Realität in einem, eine Kampfamazone, die gleichzeitig die beste Auftragsmörderin der Welt darstellt. Zu genau dieser wurde sie von ihrem blinden Meister Stick (Terence Stamp, „The Limey”) gedrillt, der sie jedoch eines Tages wegen ihrer Unausgeglichenheit vor die Türe setzt, damit sie sich den letzten Schliff zur absolut perfekten Kriegerin selbst aneignet. Über mangelnde Arbeit kann sich Elektra nicht beklagen, doch zufrieden stellt sie ihr Dasein nicht und so möchte sie sich vorerst eine Ruhepause gönnen. Ihr Freund und Mittelsmann McCabe (Colin Cunningham) überredet sie jedoch, den soeben angebotenen lukrativen Auftrag noch schnell anzunehmen, was sie zunächst nur widerwillig tut. Ihr neues Ziel ist der allein erziehende Vater Mark (Goran Visnjic) samt seiner 13-jährigen Tochter Abbey (Kirsten Prout), die Elektra jedoch von Gewissensbissen geplagt nicht töten kann und fortan wie die beiden eigentlichen Ziele gejagt wird.

Nachdem Jennifer Garner in „Daredevil” bereits als Rächerin im Lederoutfit für kurzzeitiges Aufsehen in einem ansonsten von Ben Affleck dominierten Heuler fungierte, schneiderte ihr Hollywood flugs ein eigenes kleines Filmchen auf den Leib. Das jedoch bietet bei aller optischen Liebe nichts Atemberaubendes und reiht sich in die endlose Reihe mittelmäßiger Comic-Verfilmungen ein. Positiv in diesem Spektakel ist sicherlich die Garner zu erwähnen, die die geheimnisvolle Elektra elegant verkörpert und ihre innere Unruhe und Zerrissenheit immer wieder andeutet. Mehr aber leider auch nicht, denn gerade was die Tiefenzeichnung der Charaktere angeht, weist der Film eklatante Schwächen auf. Elektra ist zwar die Person des Films, auf die alles abzielt und die auch einen mehr als netten Blickfang darstellt, doch machten sich die Macher einfach nicht die Mühe, ihre Figur mit mehr Inhalt zu füllen. Ein paar Kindheitserlebnisse und Familienerinnerungen reichen da einfach nicht aus.

Für ein Action-Spektakel gibt sich „Elektra” leider ziemlich handzahm und Jennifer Garner bekommt doch deutlich zu wenig Spielraum, ihr Können im Kampf zu demonstrieren. Zu Beginn wird die schier Unbesiegbare kurz während ihrer Arbeit gezeigt, mehr zur Sache geht es aber dann erst in Hälfte zwei, wobei der Showdown ganz okay geraten ist, aber auch keine Berge versetzt. Das Böse hetzt zwar eine ganze Reihe von Kämpfern mit den unterschiedlichsten Eigenarten (Tier-Tattoos die sich verselbständigen, Berührungen, die jedes Leben zerstören etc.) auf die Guten, doch so schnell wie sie gekommen waren, genau so schnell gehen sie auch teilweise wieder, ohne dass es groß zu spektakulären Duellen gekommen wäre. Elektra kriegt sie eben alle.

Von den Nebendarstellern vermag keiner so wirklich überzeugen, lediglich die junge Kirsten Prout als Nachwuchs-Elektra kann noch ansatzweise überzeugen, nervt jedoch im weiteren Verlauf des Films wegen ihrer dezenten Überheblichkeit mehr und mehr. Ihren Film-Vater Goran Visnijc („Zauberhafte Schwestern“) hätte man sich im Grunde schenken können und vor allem seine angedeutete Liebesbeziehung zu Jennifer Garner wirkt absolut unglaubwürdig. Terence Stamp mimt den blinden Meister, hat aber außer peinlich wirkenden Pseudo-Floskeln nichts zu bieten. Auch den Bösen geht ziemlich einer ab, denn trotz massivem Heldenaufgebot und Ninja-Scharmützeln werden die Opponenten durch Elektra schnellstens dem Erdboden gleichgemacht. „Elektra“ ist nicht komplett missraten und eignet sich für einen verregneten Sonntagnachmittag noch immer, doch wirkt der Film einfach zu jeder Minute lieblos inszeniert. Die Geschichte ist ärmlich und lückenhaft, die Figuren konturlos und die Actionszenen trotz solider Inszenierung belanglos. Mit ein wenig mehr Eifer hätte mehr draus werden können.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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