Ninja Scroll (J 1995)

ninjascrollEs gibt Animes, die bestechen durch ihre komplexe Erzählweise, vielschichtige Plots und sozialkritische Zwischentöne. Und es gibt „Ninja Scroll“. Das flüssig animierte und durch Anspielungen auf japanische Legenden und Folklore abgerundete Samurai-Abenteuer von Yoshiaki Kawajiri („Wicked City“) ist ein herrlich trivialer Mix aus skurrilen Figuren und heftigem Aderlass. Die Kino-Produktion aus dem Studio Madhouse („Tokyo Godfathers“) basiert mal nicht auf einem populären Manga, zog als eigenes Franchise aber eine TV-Serie sowie einen zwölfteiligen (amerikanischen!) Comic-Ableger nach sich.

Japan im Edo-Zeitalter: Der herrenlose Samurai Jubei Kibagami verkauft seine Dienste für die gerechte Sache. Als er die reizende Giftprüferin Kagero vor einem mordlüsternen Hünen mit steinerner Haut rettet, wird er unvermittelt in einen Konflikt zwischen Regierungsagenten und den sagenumwobenen Acht Teufeln von Kimon verstrickt. Diese finstren Spezialkämpfer scheinen mit schwarzer Magie im Bunde und löschen ohne Zögern ein ganzes Dorf aus, um in der Region den Anschein einer Epidemie zu wecken. Vom unscheinbaren Greis Dakuan wird Jubei angeheuert, die Hintergründe der mysteriösen Begebenheiten aufzudecken.

Sein persönliches Interesse wird geweckt, als er erfährt, dass die Gegnerschaft von Himuro Gemma angeführt wird, den er glaubte vor Jahren im Kampf getötet zu haben. Doch Gemma ist nicht nur quicklebendig, sondern wie es scheint auch unsterblich. Mit seinem Gefolge hat er es auf eine Schiffsladung Gold abgesehen, die den politischen Umsturz einleiten und in den Wirren des vermeintlichen Epidemie-Ausbruchs unbemerkt fortgeschafft werden soll. Aber da hat er die Rechnung ohne Schwertmeister Jubei, die von tragischem Schicksal gebeutelte Kagero und den listigen Strategen Dakuan gemacht.

Das ungleiche Trio stellt sich Gemmas Plänen und den bizarr gestalteten Teufeln, die frei nach ihren individuellen Fähigkeiten im Schatten versinken oder einen im Rücken verwachsenen Bienenstock befehligen können, in fantasiebetonten Scharmützeln entgegen. Freunde anspruchslos splattriger Trickfilmunterhaltung werden an dieser enthemmt brutalen und überaus flott erzählten Trick-Action ihre helle Freude haben. Eine Prise Sex und die melodramatische Romanze zwischen Jubei und Kagero geben dem kurzweiligen Epos zusätzliche Würze. Dass Kawarijis Anime-Klassiker auch außerhalb Japans Kultstatus erlangte, mag angesichts des vortrefflichen Stilmixes kaum verwundern!

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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