Milk (USA 2008)

milk„A homosexual with power. That’s scary.” – Harvey Milk

Mitte der Siebziger Jahre hatten Schwule in Amerika keine Stimme. Von der religiösen Rechten wurden sie verteufelt, von der Polizei drangsaliert. Die Veränderung kam mit Harvey Milk, einem unscheinbaren Vierzigjährigen, der das homoerotische Versteckspiel und die tägliche Homophobie durch Politik und Gesellschaft satt hatte. Ihr setzte er kulturelle Organisation und politische Ambition entgegen. Als er 1978 erschossen wurde, gedachte seiner ein Fackelzug aus 30.000 Menschen. Gus Van Sant („Last Days“) hat diesem Vorkämpfer der sexuellen Gleichberechtigung ein beeindruckendes filmisches Denkmal gesetzt.

Brillant gespielt wird Milk von Sean Penn („Mystic River“), der für seine Leistung mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. An seiner Seite agieren James Franco („Spider-Man“), Diego Luna („Frida“), Emile Hirsch („Into the Wild“), Alison Pill („Dear Wendy“) und Josh Brolin („W.“). Der Letztgenannte mimt Dan White, einen Kollegen Milks in der Stadtverwaltung von San Francisco – und schließlich sein Mörder. In einer Schlüsselszene wirft ihm der von Neid zerfressene White vor, allein durch sein spezifisches Anliegen in der öffentlichen Wahrnehmung identifizierbar zu sein. Doch Milk kämpft keinen Kampf um Prestige, sondern einen für die Menschlichkeit.

Bürgerrechte zählen für Homosexuelle nicht. Van Sant zieht durch Harvey Milk bewusst Parallelen zum politischen Klima des Obama-Triumphzuges. Milk selbst vergleicht die von ihm ausgehende Auflehnung gegen Rassismus und Benachteiligung mit den Anfängen der Schwarzenbewegung. Ein Zufall ist es darum wohl nicht, dass das dokumentarisch-biographische Drama während des Präsidentschaftswahlkampfes gedreht wurde und kurz nach Obamas Sieg in die Kinos kam. Getragen von der realexistenten Spürbarkeit des Wandels erscheint der Film authentisch, die Darstellung des Helden nicht wie die Allegorie eines frommen Wunsches.

Vor seiner Ermordung besprach Milk mehrere Tonbänder, die im Falle eines Attentats als Vermächtnis dienen sollten. Der Film beginnt und endet in der heimischen Küche, wo er seinen politischen Werdegang durch ein Mikrophon Revue passieren lässt und das universelle Verständnis von Gleichberechtigung ausführt, das nicht allein Minderheitsbezogen zur Achtung aufruft. Diese Gemeingültigkeit, ausgebreitet vor dem Hintergrund des Einzelschicksals, macht „Milk“ und die darin transportierte Botschaft zeitlos. Da dürfte es auch dem bekennenden Polit-Aktivisten Penn nicht schwer gefallen sein, vor der Kamera mal wieder ein Lächeln auszubreiten.

Wertung: (8,5 / 10)

 

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