Meyer Lansky – Das Gehirn der Mafia (USA 1999)

meyer-lanskyDer US-Bezahlsender HBO steht, das bewiesen nicht zuletzt Erfolgsserien wie „Band of Brothers“, für Unterhaltung der gehobenen Klasse. Ein weiteres Beispiel ist die Filmbiographie „Meyer Lansky“, die, bereits 1999 produziert, mit dem Subtitel „Das Gehirn der Mafia“ (alternativ: „Amerikanisches Roulette“) unlängst auf DVD wiederveröffentlicht wurde. Das von Pulitzerpreisträger David Mamet („Glengarry Glen Ross“) geschriebene Drama blickt im Zeitraffer auf vier Jahrzehnte des organisierten Verbrechens und weiß durch die nüchterne, fast dokumentarische Erzählweise und eine erhabene Darstellerriege zu überzeugen.

Regisseur John McNaughton („Wild Things“) setzte Mamets grob auf dem Buch Uri Dans, Dennis Eisenbergs und Eli Landaus basierendes Skript mit einiger Gemütsruhe um, weshalb der dialoglastige Film auch wenig mit den ruppigen Milieustudien eines Martin Scorsese gemein hat. Der elegische Auftakt zeigt Meyer Lansky, gut gespielt von Richard Dreyfuss („W.“), in Israel. Kurz vor seiner Auslieferung an die USA im Jahre 1972 blickt der jüdische Mafiastratege auf sein Leben zurück, die Kindheit in den Straßen New Yorks und den rasanten Aufstieg im organisierten Verbrechen während der Prohibition.

Lansky ist nicht allein ein kühler Rechner, sondern auch ein besonnener Denker. Vor Gewalt scheut er nicht zurück, doch bleibt er ein Mann im Hintergrund. Die Schlagzeilen machen andere, wie seine engen Freunde Lucky Luciano (Anthony LaPaglia, „Without a Trace“) und Bugsy Siegel (Eric Roberts, „The Dark Knight“). Vor Gericht landet Lansky wiederholt. Nur wird er Zeit seines Lebens nie eines Kapitalverbrechens angeklagt. Die mosaikartige Erzählstruktur wird dabei ein ums andere Mal durch den narrativen Kern der Erinnerungen legitimiert.

Viele Aspekte aus Meyer Lanskys Leben bleiben lediglich angerissen. Während des Zweiten Weltkrieges beispielsweise hilft er der amerikanischen Regierung durch die Kontakte zur Mafia (und den inhaftierten Luciano), die Landung der Alliierten in Sizilien vorzubereiten. Oder das oft angespannte Verhältnis zu seiner Frau Teddy (Beverly D’Angelo, „American History X“), mit der er einen behinderten Sohn hat. Mamet und McNaughton wagen zwar lediglich einen konventionellen, dank elegischem Erzählrhythmus und guter Darsteller aber auch gelungener Blick hinter die Fassade der Mafia.

Wertung: (6,5 / 10)

 

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