Mercenary for Justice (USA/ZA 2006)

mercenary-for-justiceSteven Seagal („Alarmstufe: Rot“) dreht und dreht. „Mercenary for Justice“ ist seit 2003 der zehnte in Deutschland veröffentlichte Film mit seiner Beteiligung. Zwei weitere sind abgedreht, zwei weitere in Planung. Trotz Karriereknick und Gewichtszunahme ist der Nicht-Schauspieler gut im Geschäft. Da hilft wenig, dass sich das Publikum längst an seinen Simultanauftritten satt gesehen hat. Der vom renommierten Kameramann Don E. FauntLeRoy („Jeepers Creepers“) inszenierte Söldnerstreifen zeigt den alternden Actionstar agiler als zuletzt. Doch taugt selbst ein solider Seagal nach heutiger Maßgabe zu kaum mehr als dem ungekrönten Oberschläger der Straight-to-DVD-Marktsegmentierung.

Der Plot um Regierungsagenten, internationale Verschwörungen und Seagal zwischen allen Fronten gibt sich komplex, ist in Wahrheit aber unnötig konfus und überfrachtet mit Randfiguren ohne festen Stand. Nach bleihaltig kriegstreiberischem Auftakt – nur original mit körnigen Bildern, verwackelter Kamera und sich aus verschiedenen Perspektiven wiederholenden Sequenzen – legt sich Allzweckwaffe John Seeger (Seagal) mit den hinterlistigen Drahtziehern (Luke Goss, „Blade II“ / Roger Guenveur Smith, „Summer of Sam“) der jüngst gescheiterten Mission an. Um das Leben der Familie eines gefallenen Kameraden zu schützen, lässt er sich nötigen, den Sohn des weltgrößten Drogenbarons aus einem Gefängnis in Osteuropa zu befreien. Doch Seeger hat eigene Pläne.

Das Jauchzen der Anhängerschar ist groß, wenn der Seagal´sche Komet wieder selbst Hand anlegt und ohne Double Schellen auf die Vorderfront der Gegner serviert. Sein John Seeger ist eine konturlose Hülle, da bleibt schlicht keinerlei Raum für Ausdruck, Charaktereigenschaften oder Sympathiepunkte. Er ist einfach präsent, hat den vollen Löffel Sanostol gefrühstückt und ist allen Beteiligten immer den entscheidenden Schritt voraus. Weibliche Unterstützung liefert Jacqueline Lord („Quintuplets“), der grobschlächtige Sidekick Adrian Galley („Wake of Death“) ist für die humorigen Einzeiler zuständig. Das Schema ist bekannt, was zählt ist der Feuerzauber. In dieser Richtung muss sich Don E. FauntLeRoy, der mit Seagal auch „Today You Die“ drehte, keine Blöße geben.

Die Action ist mit routinierter Hand inszeniert, Gewalt und blutige Einschüsse halten den Genrefreund bei der Stange. Eine schlüssige Handlung wäre zu viel verlangt. Ebenso gut könnte man von Steven Seagal, hier mit reichlich unvorteilhaften Großaufnahmen gestraft, verlangen, die steinerne Gesichtsmaske abzulegen. Der für den qualitätssichernden Nu Image-Ableger Millenium (u.a. „16 Blocks“) produzierte Film will nicht durch Geist, sondern allein Körpereinsatz überzeugen. Das gelingt, wenn „Mercenary for Justice“ auch die übliche Klischeesuppe aus fliegenden Kugeln und zuckenden Leibern auftischt. Für B-Fans erfüllt der Streifen seinen Zweck. Weniger unmöglich macht der verhaltene Aufwind Seagals Rehabilitation trotzdem nicht.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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