03.05.2006 – Me First and the Gimme Gimmes / The Sainte Catherines / Payback 5 – Berlin SO36

me-first-and-the-gimme-gimmes-band-2006Von Kreuzberg nach Kreuzberg in 15 Minuten. Vor dem bereits im Vorfeld als ausverkauft deklarierten SO 36 tummelten sich zahlreiche Menschen. Das Wetter war ansprechend, gerade in den Abendstunden macht das die Oranienstraße zu einem Ort mit Flair und proletarischem Charme. Die erste Frage an der Tür: Hast du Getränke oder Waffen dabei? Heute nicht, Glück gehabt. ME FIRST AND THE GIMME GIMMES, die Fat Wreck-Allstarband, sind ein Hort der guten Laune. An diesem Tag galt es das im Herbst ausgesetzte Konzert nachzuholen. Der Andrang war nicht nur gemessen an der relativen Seltenheit einer Tour der Band – die Mitglieder von NOFX bis FOO FIGHTERS unter einen terminlichen Hut zu bringen, erweist sich als erwartungsgemäß schwierig – gewaltig.

Alles andere als gewaltig war die erste Vorband PAYBACK 5. Die Stuttgarterinnen mit deutlichem Hang Richtung FABULOUS DISASTER servierten schwach gespielten Frauen-Punk Rock zwischen Garage und Stange. Die Publikumsreaktionen hielten sich in Grenzen, das Interesse ebenso. Deutlich leistungsstärker zeigten sich THE SAINTE CATHERINES, die in bester GOOD RIDDANCE-Tradition Hardcore mit Punk vermischten. Die ersten Stücke waren von einer akustischen Schwachheit geprägt, die sich im Laufe des Gigs aber mehr und mehr nivellierte. Die meisten Songs entsprangen ihrem Fat-Debüt „Dancing for Decadence“, was die Zuschauer mitunter ihrer angeborenen Zurückhaltung entreißen konnte.

Als LAGWAGON-Frontmann und ME FIRST-Gitarrist Joey Cape als erster der fünf in gleichartig farbenfrohe Oberhemden gekleideten Musiker die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Er zupfte introduktierend an den Saiten, begrüßte das Publikum und mit Ankommen der übrigen Coverkünstler ging das Spektakel los. Über die Vergewaltigung von „Stairway to Heaven“ ging es gleich zu „Me and Julio Down By the Schoolyard“. Unverzüglich wurde auf Hits gesetzt, was die Atmosphäre im rappelvollen SO 36 schnell zum Kochen brachte. Ansagen wie „Anti-Climax is the new Climax“ taten ihr übriges. Sänger Spike Slawson – regulär Bassist der SWINGIN’ UTTERS – muss sich ob seiner Qualitäten als Live-Sänger nicht selten Vorwürfe gefallen lassen. Nicht so an diesem Abend. Die Akustik war glänzend, der Gesang in Höhen und Tiefen auf dem Niveau der ME FIRST-Platten.

Musikalisch überanstrengt hat sich das Spaßprojekt nicht. Die Vollblutmusiker turnten ihre Akkorde herunter und nutzten den mangelnden Anspruch ihres Schaffens für reichlich Unfug. Spike merkte nach fast jedem Song an, der nächste wäre ein Cover, was ihn trotz akuter Witzlosigkeit nicht von der Fortführung des flachen Ulks abhielt. Fat Mike tauschte wiederholt innige Umarmungen mit ihm aus und bemerkte gegen Ende die Einfachheit ihres tuns: gleiche Hemden, bekannte Songs und einen brillanten Sänger. Die Meute stimmte johlend zu. Überhaupt war das Konzert ein Selbstläufer. Die Massen in Verzückung zu versetzen, fiel den fünf nicht schwerer, als Fische aus einem Glas zu angeln.

Die unbekannten Songs ihrer Veröffentlichungen sparten die Herren konsequent aus. Mit Erfolg, stimmte ein Großteil des Publikums bei Welthits wie „Somewhere Over the Rainbow“, „Danny’s Song“, „Rocket Man“, „Country Roads“, „Mandy“, „Seasons In the Sun“, „I Believe I Can Fly“ oder „Blowing In the Wind“ doch nur zu gern ein. ME FIRST AND THE GIMME GIMMES warfen eine Party – und die Anwesenden Gäste ließen sich nur zu gern mitreißen. Der Alkoholgenuss auf der Bühne hielt sich stark in Grenzen, den berüchtigten Saufgelagen des Quintetts wurde kein weiteres hinzugefügt. Nach 70 Minuten fand der gewaltige Spaß unter frenetischem Jubel ein würdiges Ende. Es war ein großartiges Konzert, habt Mitleid mit all jenen, die es verpasst haben!

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