Lockout (F/USA 2012)

lockout-bessonAls Produzent und Ideengeber bewährt sich Luc Besson seit Jahren im Actionfach. Auf Gelder aus Hollywood ist der Franzose dabei kaum angewiesen. Seine EuropaCorp finanziert Filme wie „Transporter“ oder „96 Hours“ nicht allein (weitgehend) selbst, sondern meist auch für einen Bruchteil dessen, was sie in Amerika kosten würden. Das verdeutlicht auch der Science-Fiction-Thriller „Lockout“, in dem Guy Pearce („Memento“) großmäulig auf den Spuren des Carpenter-Klassikers „Die Klapperschlange“ wandelt. Zwar ist sein rüpelhafter Anti-Held Snow keine echte Konkurrenz für Snake Plissken, kurzweiliger Radau im Weltraum ist mit dem kampferprobten Querulanten trotzdem garantiert.

Das Regisseurs-Duo James Mather und Stephen St. Leger hält sich bei seinem Langfilmdebüt nicht lange mit störender Handlung auf und wirft jenen Snow gleich in ein schmerzhaftes Polizeiverhör, bei dem ihm der Mord an einem alten Vertrauten und der Diebstahl brisanter Regierungsgeheimnisse vorgeworfen werden. Wie es wirklich war, zeigen actionbetonte Rückblenden inklusive einer ungelenk computergetricksten Verfolgungsjagd in übertriebener Videospiel-Optik. Zur Strafe soll der mutmaßliche Verräter für 30 Jahre schockgefrostet und in den Orbit verfrachtet werden, wo hunderte Schwerverbrecher auf einer Raumstation eingekerkert sind.

Auf humanitärer Mission verschlägt es dorthin auch Präsidententochter Emilie Warnock (Maggie Grace, „96 Hours“), die sich vor Ort selbst ein Bild von den unmenschlichen Folgen der kryogenischen Zwischenlagerung machen will. Aber es kommt, wie es kommen muss. Der zwecks Befragung aufgetaute geisteskranke Hydell (Joseph Gilgun, „This is England“) und sein älterer Bruder Alex (Vincent Regan, „Kampf der Titanen“) reißen das Kommando über den Weltraumknast an sich und töten munter Geiseln. Nur von Emilies Identität ahnen sie nichts. Da die Zeit drängt, soll der auf dem Weg befindliche Snow auf Geheiß von Geheimdienstchef Langral (Peter Stormare, „Constantine“) die Kohlen aus dem Feuer holen.

Der willigt ins Himmelfahrtskommando ein. Aber auch nur, weil im interstellaren Gefängnis ein Komplize eingekerkert ist, der Beweise seiner Unschuld versteckt hat. Es folgt ein flott abgespulter Mix bekannter Einzelkämpfer-Motive, bei der Pearce sichtlich Spaß am unentwegt Sprüche klopfenden Macho hat. Mit Partnerin Grace stürzt er sich in einen munter absurden Überlebenskampf, der trotz eines latenten Hanges zu sadistischer Gewalt weitgehend handzahm inszeniert bleibt. Durch die deutlich zu breit gewalzte Rahmenhandlung beschneiden Mather und St. Ledger, die auch das Drehbuch schrieben, die nur allzu hastig abgespulte Rettungsmission zusätzlich.

Nach Spannung oder Figuren jenseits grundgebotener Oberflächlichkeit braucht man also erst gar nicht fragen. Trotz seiner zahlreichen offensichtlichen Schwächen bietet „Lockout“ letztlich aber grundsoliden Krawall mit herber Note und spaßigen Einzeilern. Nix für die Ewigkeit, aber passendes Futter für einen gepflegten Heimkino-Kumpelabend.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • A Most Wanted Man (D/GB/USA 2014)

    Prestigeträchtige Metropolen werden in Filmen häufig von ihrer strahlenden Seite gezeigt. Sehenswürdigkeiten hier, geordnetes Stadtbild dort. Sie appellieren an die Reiselust des Publikums und wecken Sehnsüchte nach der Erkundung fremder Orte. Die Kehrseite dieses unterschwellig touristischen Propagandismus sind Werke wie „A Most Wanted Man“. Der Polit-Thriller spielt in Hamburg, der zweitgrößten Stadt der Bundesrepublik und…

  • Karate Tiger 5 – König der Kickboxer (USA 1991)

    Ein Problem bei der Betrachtung amerikanisch-asiatischer Martial-Arts-Movies der B-Kategorie eröffnet sich zumeist aus der erschreckend einfallslosen Arbeitsweise deutscher Titelgeber. Beste Beispiele dafür bilden die durchaus beliebten wie erfolgreichen Teile der „Karate Tiger“- und „Kickboxer“-Serie. Jedoch bedarf es aufgrund mancher Überschneidung im Gefüge der beiden Reihen erhöhten Erklärungsaufwands. „Kickboxer“ aus dem Jahre 1989 beispielsweise, in dem…

  • Shark Night 3D (USA 2011)

    Alle Jahre wieder schafft es ein Horrorfilm mit animalischer Beteiligung auf die große Leinwand. Nach dem finanziellen Erfolg des freizügigen Splatter-Spaßes „Piranha 3D“ sind die Chancen für Trittbrettfahrer deutlich gestiegen. Als erster versucht sich „Snakes on a Plane“-Regisseur David R. Ellis an einer neuerlichen Rückkehr etwaiger Killerfische und mixt in „Shark Night 3D“ Motive von…

  • The Postcard Killings (USA/UK 2020)

    „Finde ihn.“ Es ist die Aufforderung einer in Trauer erstarrten Mutter. Sie gilt ihrem Ex-Mann, einem New Yorker Polizei-Veteranen. Gemeinsam betrauern sie den Tod der Tochter. Die wurde während eines Urlaubstrips mit ihrem Mann in London ermordet und in makabrer Pose ausgestellt. Der Erschütterung, mehr noch der emotionalen Zerrüttung, folgt der Trotz. Die Aufklärung des…

  • Grizzly (USA 1976)

    „If ya feel a wet snout in ya face, whatever you do, don’t move. And don’t kiss it back ‚cause it ain’t me.” – Don Stober In den Siebzigern, der Hochzeit animalischer Beutezüge im Kino, trieb auch Meister Petz sein Unwesen. Der anspruchslose Öko-Thriller „Grizzly“ zeigt die abgründige Seite von Yogi-Bär und macht bei der…

  • Die tödlichen Bienen (GB 1966)

    Im England der Sechziger waren die Menschen noch wohl erzogen. Da konnte ein verruchter Charakter über Minuten sein teuflisches Werk erläutern und sich der ungeteilten Aufmerksamkeit seines vermeintlich nächsten Opfers dennoch gewiss sein. Die bekannte Sängerin Vicki Robbins (Suzanna Leigh, „Bestien lauern vor Caracas“) will sich in dieser Situation zwar abwenden, wird von ihrem Gegenüber…