Lasting Traces – You & Me (2015, Redfield Records)

lasting-traces-you-and-meManchmal ist es bei Musik wie bei Menschen. Bestimmte Personen sind auf Anhieb irgendwie unsympathisch und es braucht erst ein paar Anläufe, um zu bemerken, dass der Gegenüber vielleicht einfach einen schlechten Tag hatte. Ein wenig ging es mir so mit LASTING TRACES aus Freiburg, die auf „You & Me“ irgendwo in den Post-Hardcore-Gefilden von WOLVES AT THE GATE und WE ARE THE OCEAN fischen. Auf meiner Notizliste standen Dinge wie „Immer einen Tick an der wirklich guten Hook vorbei“, „Gesangsmelodien gehen selten ins Ohr“ oder „Handwerklich gut, aber reißt selten wirklich mit“, aber was soll ich sagen – die Betonung liegt inzwischen auf dem Präteritum „standen“.

Inzwischen – nach einigen Durchgängen – muss ich sagen, dass mir die etwas gewöhnungsbedürftigen Refrainmelodien gut ins Ohr gegangen sind und durchaus mit einem eigenen Stil zu begeistern wissen. Immer häufiger merke ich, dass ich unterbewusst Songs wie „Memento“ oder „Lone Wolf“ vor mich hersumme. Oder „Sentenced to Live“, den Übersong am Ende des Albums, auf Endlosschleife im Hirn habe. Der einzige Song übrigens, der mich von der ersten Sekunde an wirklich gepackt hat. Im Ernst, ein Blick auf den Notizblock offenbart den Stichpunkt „Schade, dass LASTING TRACES erst am Ende des Albums zeigen, zu was sie wirklich fähig sind“.

Ist „You & Me“ also eines der Alben, die man sich, wie etwa die neueren THRICE-Platten oder manches Album von THURSDAY, erst erarbeiten muss, es dann aber sein Leben lang im Herzen trägt? Nein, nicht wirklich. Ein zeitloser Klassiker ist „You & Me“ sicherlich nicht, was an mehreren Kleinigkeiten liegt: Zum einen sind die Texte teilweise arg notdürftig zusammengereimt, zum anderen ist die Produktion etwas zu drucklos. Außerdem sind Songs wie „Suffer“ oder vor allem das kitschige „Summer Dress“ eher Filler denn Killer. Höhepunkte sind hingegen die angesprochene Tracks wie „Memento“ oder „Sentenced to Live“, bei dem vor allem gegen Ende das Zusammenspiel von Clean-Gesang und Shouts aufs heftigste mitreißen kann, die jedoch auch deutlich zeigen, dass für LASTING TRACES noch Luft nach oben besteht.

Wertung: (7 / 10)

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