Kick-Ass (USA/GB 2010)

kick-ass„Mit keiner großen Macht folgt auch keine große Verantwortung!“ – Dave aka Kick-Ass

„Kick-Ass“ ist die Geschichte von Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson, „The Illusionist“). Eines Tages entschließt sich der 16-jährige Comicfreak und (natürlich) Loser, ein Superheldenkostüm überzustreifen – einen schrecklichen grünen Taucheranzug, den er auf eBay ersteigert hat –, um eigenhändig für Recht und Ordnung zu sorgen. Nach ersten Startschwierigkeiten landet er schwer verletzt im Krankenhaus. Doch der erste richtige Superheld avanciert dank MySpace und Fotohandy zu einem Internetphänomen und löst schnell eine Welle an Nachahmern aus. Allerdings lernt er auch echte Heldenprofis kennen und gerät schon bald an ein paar Kriminelle, die eine Nummer zu groß für ihn zu sein scheinen. Nebenbei muss er sich genregemäß in der Schule mit seinem Leben als Nobody herumschlagen.

Heutzutage wird so ziemlich alles, was das Licht der Welt als Comic erblicken darf, alsbald für die große Leinwand adaptiert. Mark Millar, der von vielen als einer der innovativsten Comickünstler der Moderne angesehen wird, lieferte schon die Vorlage für den arg überbewerteten „Wanted“. Auch in „Kick-Ass“ darf ein Loser über sich hinauswachsen, wenn die Geschichte hier auch in der „wirklichen Welt“ angesiedelt ist. Matthew Vaughn („Layer Cake“) inszeniert die in der Vorlage schon mit Genrezitaten nicht geizende Heldenstory herrlich over the top – doch des Öfteren funktioniert das Konzept leider nicht ohne Abzüge. Aaron Johnsons Dave ist zwar Fanboy vom Dienst, aber dennoch kein Vollblut-Nerd – das müssen seine zwei Comickollegen übernehmen. Andernfalls würde man ihm die Verwandlung zum Ärschetreter wohl kaum abkaufen. Zudem sagt doch er selbst, dass er nicht von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde oder von einem fremden Planeten stammen durfte, so dass ihn eigentlich nichts zum „Super“-Helden machen kann.

Auch ist die Legitimation und Motivation für sein Tun keine Rache an der Unterwelt oder sonstigen Feindbildern. Dave möchte aus eigenem Willen heraus einfach als maskierter Wohltäter auftreten. Glimpflich verläuft sein Einstand in der Welt der Verbrechensbekämpfung allerdings nicht. Schließlich landet er abgestochen und von einem Auto angefahren im Krankenhaus. Damon Macready (Nicolas „Ghost Rider“ Cage) hat andere, typische (und von der Comicvorlage abweichende) Beweggründe für sein Handeln. Alias Big Daddy (eine Mischung aus Batman und dem „Watchmen“-Mitglied Night Owl) trainiert er seine elfjährige (!) Tochter Mindy zur gewissenlosen Assassinin Hit-Girl, die Angelina Jolies Fox in „Wanted“ wie ein braves Hausmütterchen erscheinen lässt. Hit-Girl ist natürlich „cool“, weil eine Elfjährige sich noch nie zuvor derart rüde durch ein Hollywoodwerk metzeln durfte. Chloe Grace Moretz („The Eye“) ist sicherlich talentiert und auch ihre Kampfsequenzen sind wirklich gelungen. Doch mit der Rolle, die einfach nur auf Coolness und Provokation ausgerichtet ist, hat man eigentlich im Voraus schon die halbe Miete einkassiert.

Es grenzt an ein kleines Wunder, dass die FSK einer Freigabe ab 16 zugestimmt hat. Denn was uns die kleine Amazonin an abgetrennten Gliedmaßen und blutigen Headshots präsentieren darf, stößt beinahe in „Kill Bill“-Dimensionen vor. Hit-Girl ist denn auch erwartungsgemäß der eigentliche Star des Films, was aber noch andere Probleme als die offenkundigen moralischen mit sich bringt. Da sich die Geschichte von „Kick-Ass“ wie erwähnt in unserer „echten“ Welt abspielen soll, ist die Tatsache, dass ein kleines Mädchen überhaupt zu solchen Handlungen fähig ist, doch arg weit hergeholt. Gegen den Rest des Casts gibt es kaum etwas auszusetzen. Nic Cage hält sich ruhig wie schon lange nicht mehr. Seiner kleinen aber feinen Rolle schadet das keineswegs. Mark Strongs („Sherlock Holmes“) Mafiaboss Frank D´Amico ist ein ernstzunehmender Antagonist, sein Sprössling Chris alias Red Mist (Christopher Mintz-Plasse) eher weniger, was aber auch daran liegt, dass Mintz-Plasse eben immer der Fogell aus „Superbad“ bleiben wird.

Erfreulich sind natürlich auch die unzähligen Anspielungen auf andere Comics, auch wenn über die meisten (nur) eingefleischte Kenner der Materie lachen werden können. So läuft etwa im Kino „The Spirit 3“ oder Daves Freundin liest „Scott Pilgrim“ (der übrigens dieses Jahr auch über die Leinwände flimmern wird). Ärgerlich hingegen ist die unübersehbare und immer flachgehaltene Homophobie, die in Millars gezeichneter Version aber noch extremer daher kommt. „Kick-Ass” wird die Filmwelt gewiss polarisieren. Eigenständig und „mal was anderes“ ist er sicherlich und großen Spaß macht er allemal. Die Moralapostel unter uns werden wegen der nicht gerade zimperlichen Gewalt gewiss aufschreien, die anderen, die verstehen können, dass sich die Geschichte schon von der Grundidee her selbst nicht ernst nehmen kann, werden einfach ihren Spaß haben. Und sich auf den zweiten Teil freuen, der bestimmt kommen wird.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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