Kafkas – St. Helena (2016, Domcore/Broken Silence)

Die KAFKAS sind dem Deutsch-Punk entwachsen. An seine Stelle rückten zunächst New Wave und Post-Punk. Wie ihr jüngstes Album „St. Helena“ offenbart, ist die Entwicklung der Fuldaer damit aber längst nicht abgeschlossen. Nun hält der Synthie-Pop Einzug, der sich Trends und Tempo noch konsequenter verweigert als der letzte Langspieler „Paula“ (2010). Das sorgt, der Startschuss „Was dir fehlt“ beweist es, für eine inspirierte Lässigkeit, über die beinahe sehnsüchtig der Blick in die Ferne schweift. Das gefällt, gerade durch die Unaufgeregtheit, mit der auch feine Indie-Perlen wie „Kein Meer“, „Lass uns durchdrehen“, „Kompassherz“ oder „Weil sie kein Herz haben“ ausgebreitet werden.

Die Kehrseite ist – zumindest über die Dauer der 13 Tracks – ein gewisser Gleichklang. Für den sorgt vorrangig der Drum-Computer, dessen monotone Rhythmen spätestens in Hälfte zwei für seichten Überdruss sorgen. Der angenehm säuselnde Gesang von Frontmann Markus, der bei „Wo ist Marx“ einmal mehr auf gesprochene Vocals mit NDW-Anflügen setzt, lässt den Beat aber weitgehend in den Hintergrund rücken. Auf Geschwindigkeit setzen die KAFKAS längst nicht mehr. Eher schon auf Entschleunigung. „Ich tanze nackt in meinem Zimmer“ und das wunderbare „Nur nicht nach Hause“, die bereits auf der „Lebenslang“-EP (2014) vorgestellt wurden, gehen im Gesamtbild fast schon als Ausbrüche durch. Unter dem Strich ist „St. Helena“ ein überzeugendes, heuer zum Träumen einladendes Stück Nischen-Pop. Man darf gespannt sein, in welche Richtung es die Fuldaer als nächstes verschlägt.

Wertung: (7 / 10)

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