Angelika Express – Alkohol (2016, Unter Schafen Records)

„Wahrer Rausch geht nie zu Ende in der Diktatur der Mixgetränke.“ – ‘Menschen brauchen Alkohol‘

Der gemeine Deutsche verbringt einen nicht unerheblichen Teil seines freizeitlichen Daseins mit der körperlichen Aufnahme von berauschenden Heiß- und Kaltgetränken. Im jährlichen Durchschnitt konsumiert jeder Bundesbürger über 15 Jahren 12,87 Liter reinen Alkohols. Dem dahinter stehenden Drang, die „Wirklichkeit zu verdünnen“, – und natürlich dem streitbaren Lebenselixier selbst – haben ANGELIKA EXPRESS ein Konzeptalbum gewidmet. Dass die Kölner trotz gesteigerter Tanzbarkeit nicht (vollends) auf ein beschönigendes Niveau ewiger Ausgelassenheit setzen, ist dabei ihr größter Trumpf. Die Medaille hat eben immer zwei Seiten, selbst wenn die ironische Betrachtung des erkorenen Themenfeldes deutlich im Vordergrund steht.

Gemessen am munteren Mix aus Power-Pop und amüsanten Textbildern (z. B. „Gesteuerter Kontrollverlust, bewusstlos selbstbewusst“) kann man sich der guten Laune ohnehin nur schwer entziehen. Mit „Menschen brauchen Alkohol“, „Wann lässt du endlich los“ und „Phil Collins“ (wenn der Alkohol eines bewerkstelligt, dann ist es eine Toleranzsteigerung gegenüber Musik, die der eigenen Präferenz konsequent zuwiderläuft) startet die Scheibe lustvoll. Nicht minder gelungen ist „Phazer auf Betäuben“, das die perfekte Strategie vorgibt, wie man gedanklich fehlgeleiteten Zeitgenossen Einhalt gebieten kann („Du bekommst jetzt Saft ins Hirn, dann musst du dich nicht mehr irren“). Inhaltliche Berücksichtigung finden auch der Alkohol am Arbeitsplatz („Flachmann im Büro“) oder das eigentlich Wichtige im Leben („Kohle für Cocktails“).

„Alkohol“ gibt sich musikalisch beschwingt und abwechslungsreich, wozu auch die weibliche Gesangunterstützung beiträgt. Für abkehrende Auflockerung sorgt neben dem Instrumentalstück „Erika Fahrbier“ das verschwindend kurze „Elf Kölsch in 11 Sekunden“. An weitgehend gelungenen Ideen mangelt es nicht und selbst wenn der Scheibe am Ende ein wenig die Puste ausgeht, setzen ANGELIKA EXPRESS ein deutliches Zeichen kreativer Kurzweil. Schöntrinken muss man diese vergnügliche Indie-Pop-Extravaganz mit Post-Punk-Vibe wahrhaftig nicht.

Wertung: (7 / 10)

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