It Follows (USA 2014)

it-followsDie erblühende Sexualität ist eines der zentralen Motive im Horrorfilm. Inflationär ausgebeutet wurde es im Slasher-Subgenre, wo Beischlaf mit dem Tod bestraft wird und nur die Unbefleckten entkommen. Diesem Schema folgt prinzipiell auch „It Follows“. Nur geht in dem nervenzerrenden Independent-Kleinod kein maskierter Irrer auf Opferfang, sondern eine nicht näher beschriebene übersinnliche Spukgestalt. Die folgt den Todgeweihten im Schritttempo und trachtet ihnen langsam, doch unaufhaltsam nach dem Leben. Das ist umso wirkungsvoller, da Autor und Regisseur David Robert Mitchell („The Myth of the American Sleepover“), der von einem Alptraum in seiner Kindheit inspiriert wurde, die Hintergründe gänzlich offen lässt.

Die junge Jay (Maika Monroe, „The Guest“) lebt in einem Vorort von Detroit. In derartigen Milieus hält der Schrecken im Film bevorzugt Einzug. Seinen Anfang nimmt er, als sie mit ihrem neuen Freund Hugh (Jake Weary, „Zombeavers“) in dessen Auto schläft. Im Anschluss betäubt er sie. Jay erwacht gefesselt unter einer Brücke, wo ihr Hugh eröffnet, er habe durch den Koitus eine Art Fluch an sie weitergegeben. Ein namenloses Ding würde sie fortan verfolgen, das jede beliebige menschliche Gestalt annehmen kann. Den von Fremden, aber auch den geliebter Menschen. Ein erster Blick auf das lediglich für die Betroffenen sichtbare Grauen lässt nicht lange auf sich warten. Zunächst ist Jay verstört. Doch zeigt sich rasch, dass Hugh, der sich ihr unter falschem Namen genähert hat, nicht übertrieben hat.

Die Prämisse ist simpel. Das Regelwerk fürs Überleben ebenfalls: Orte mit nur einem Ausgang sind tunlichst zu meiden. Ein Motiv des bedächtigen Schrittes folgenden Grauens gibt es nicht. Nur die Aussicht eines grausamen Todes. Der Prolog, der mit einem verstörenden Zeitsprung endet, macht dies unmissverständlich klar. Der einzige Ausweg heißt Sex, um die Opferrolle einem anderen Unwissenden zukommen zu lassen. Was „It Follows“ neben diesem moralischen Dilemma deutlich aus der Masse hervorhebt, ist die Erzählweise. Mitchell tischt keinen standardisierten Teen-Horror mit kalkulierten Jump Scares auf, sondern einen subtilen und exzellent besetzten Mystery-Schocker, der unmittelbar aus der Ziellosigkeit während des pubertären Übergangs ins Leben als Erwachsener zu resultieren scheint.

Die Eltern sind kaum präsent, Jay abseits der Hilfe von Schwester und Freunden, darunter Verehrer Paul (Keir Gilchrist, „Dead Silence“) und der skeptische Nachbar Greg (Daniel Zovatto, „Beneath“), auf sich allein gestellt. Detroit, nicht erst seit der Finanzkrise Sinnbild des Niedergangs, unterstreicht die allgegenwärtige Unbehaglichkeit trefflich. Der Synthie-Score und die Vorliebe der Protagonisten für alte Filme stützen zudem ein Stimmungsbild, das an klassische Horror-Visionäre wie John Carpenter („Halloween“) erinnert. Zudem lehnt sich die insgesamt ruhige Erzählung und aufrichtige Beobachtungsgabe für das aufgewühlte Innenleben der Teenager an moderne Independent-Größen wie Sofia Coppola („The Virgin Suicides“) an.

Für große Wirkung und konstante Anspannung braucht es hier weder üppige Mittel noch großspurige Tricks. Der Hintergrund der sexuellen Übertragung, der früher sicher als Allegorie auf die Ausbreitung von AIDS verstanden worden wäre, lässt zudem ausreichend Raum zur Interpretation. Kurzum: Ein echter Geheimtipp!

Wertung: (8 / 10)

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