San Andreas (USA 2015)

san-andreas„This is not a normal day!“ – Weitsichtig: Ray

Hollywood, deine Katastrophenfilme. Früher waren sie Ensemblewerke, in denen die Machtlosigkeit des Menschen vor der Urgewalt der Natur thematisiert wurde. Die kleine Renaissance in den mittleren Neunzigern rückte den Heldenmut einzelner ins Zentrum – und eine oft unfreiwillig komische Mischung aus seifiger Überdramatisierung und abgeschmackten Klischees. Als König dieser trivialen Adressierung patriotischer Aufopferungsmentalitäten und familiärer Eintracht empfiehlt sich nun „San Andreas“, der in seiner übertriebenen Ernsthaftigkeit gefährlich nah an der Selbstparodie vorbeischrammt. Dagegen wirkt „Daylight“ fast wie ein Dokumentarfilm.

In Brad Peytons („Die Reise zur geheimnisvollen Insel“) Beitrag zum Thema werden schöne Menschen mit strahlend weißen Zähnen von Produktplatzierungen und Naturkatastrophen heimgesucht. Zugegeben, selten wurde Amerika – hier reduziert auf Südkalifornien – effektvoller und aufwendiger ins Chaos gestürzt. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der jeder Fettnapf und jede noch so inflationäre Standarte willentlich mitgenommen wird, sorgt neben staunenden Blicken vor allem für schamvoll gesenkte Häupter. Als überlebensgroßer Heros stürzt sich Dwayne ‘The Rock’ Johnson („Hercules“) ins Getümmel, um seine (Ex-)Frau und Tochter aus verschiedenen Epizentren herauszuholen.

Als Rettungspilot Ray ist Johnson mit gefahrvollen Situationen bestens vertraut. Eine Katastrophe wie die von Lawrence Hayes (Charakterdarsteller Paul Giamatti, „The Ides of March“) per Computerprogramm weißgesagte, bei der sich der San Andreas-Graben auftut und neben Los Angeles vor allem San Francisco einebnet, hat aber auch er noch nicht erlebt. Bevor die architektonische Beschaffenheit der Westküste aber mit Hilfe erstklassiger Computertricks in ein Trümmerfeld verwandelt wird, muss sich Ray familiären Problemen stellen. Die werden standesgemäß mit einer Extraportion Kitsch gereicht, damit die folgenden Rettungsbestrebungen unter Einsatz im Wind wehender US-Flaggen auch artig die Zuschauerherzen erweichen können.

Rays Ehe mit Emma (Carla Gugino, „Sucker Punch“) ist durch den Tod einer Tochter in die Brüche gegangen. Ihr neuer Lebensgefährte, der schmierige Stararchitekt Daniel (Ioan Gruffud, „Fantastic Four“), bewohnt ein schickes Anwesen und dient sich der verbliebenen Tochter Blake (Alexandra Daddario, „Percy Jackson“) als Ersatzvater an. Während Emma in L.A. beim Essen mit Pop-Star Kylie Minogue von einem verheerenden Erdbeben überrascht wird, muss Blake in San Francisco feststellen, dass Daniel doch nicht so ein tauglicher Stiefvater ist. Ob er dafür wohl abgestraft wird? Der unerschütterliche Ray sattelt sogleich den Helikopter und sammelt in letzter Sekunde erst Emma ein, bevor es auf gemeinsame Rettungsmission Richtung Norden geht.

Unterdessen wird Blake in einem eingestürzten Parkhaus vom britischen Ingenieur/Charmeur Ben (Hugo Johnstone-Burt, „Goddess“) und seinem kleinen Bruder Ollie (Art Parkinson, „Dracula Untold“) gerettet. Fortan entrinnen sie dank Blakes Weitsicht und Ollies Reiseführer größten Gefahren und hangeln sich der Rettung durch Ray und Emma entgegen, während der Rest der Einwohnerschaft bei Erdstößen und Tsunami-Flut rigoros vor die Hunde geht. Giamatti darf mit der offenbar einzigen Reporterin Kaliforniens Evakuierungstipps über den Äther schicken, der Rest ist die möglichst spektakuläre und meist wenig logische Pulverisierung populärer Touristenziele. So bleibt eine bombastische Zerstörungsorgie, der viel vorzuwerfen ist. Mangelnder Unterhaltungswert zählt aber definitiv nicht dazu.

Wertung: (5 / 10)

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