Inside (F 2007)

inside-2007Frankreichs Jungfilmer wollen es wissen. In Hollywood ist die kommerzielle Ausschlachtung des Splatters längst zur Normalität verkommen, woraus immer blutrünstiger daherkommendes Genrekino wie „Hostel“ oder „Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ resultiert. Während das international eifrig diskutiert und in Deutschland vermehrt auch wieder zensiert wird, entblößt jener französische Nachwuchs die wahrhaft grausame Seite des Horrorfilms. Seit „High Tension“ überschlagen sich die Blutbäder aus der Mitte Europas, wobei ihnen der minimalistische Schocker „Inside“ mit Leichtigkeit das Wasser abgräbt.

Julien Maury und Alexandre Bustillo, der zugleich auch das Drehbuch schrieb, zerren in ihrem Debüt extreme Gewaltakte aus dem Hut, die so erschreckend wie zugleich unnötig erscheinen. Was den Film jedoch über das Maß einer voyeuristischen Nummernrevue des Terrors hinaushebt, sind die starken Leistungen der Hauptdarstellerinnen. Alysson Paradis („Der letzte Tag“) und Béatrice Dalle („Crime Insiders“) liefern sich einen erst einseitigen, später beiderseits verbissen geführten Kampf auf Leben und Tod. Das Traktat der Körper ist immens, was den simplen Plot nur umso dünner erscheinen lässt.

Der beginnt als klassischer Psycho-Thriller. In bedächtigen Bildern wird die schwangere Sarah (Paradis) vorgestellt. Ihr Freund, zugleich Vater des Kindes, starb vier Monate zuvor bei einem Verkehrsunfall. Den Wagen steuerte sie. Die Narben jenes Unglücks stehen ihr buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Schwerer jedoch wiegen die auf ihrer Seele. Es ist Heiligabend und der Termin der Geburt ist auf den folgenden Tag datiert. Plötzlich steht eine unbekannte Frau (Dalle) vor der Tür, bedrängt und verängstigt sie. Als sich die Fremde Zugang zum abgeschieden Haus verschafft, beginnt für Sarah ein zehrendes Martyrium.

Mit einem Schlag mündet „Inside“ in eine Schlachtplatte, die zwar spannend erzählt ist, vorrangig aber durch die extremen Bilder an den Nerven zerrt. Dass es die nicht unbeschadet in die hiesigen Videotheken geschafft haben, verwundert angesichts der verstörend detaillierten und von schwachen Computereffekten umrandeten Gräuel des unzensierten Originals kaum. Die Drastik, mit der die intensiv aufspielende Béatrice Dalle Schere und Stricknadel schwingt, verweist die umstrittenen US-Beiträge rasch in die Kinderstube. Ihr Motiv ist leicht zu durchschauen, was den schmerzlichen Gang zur Schlachtbank nicht eben clever gestaltet, sondern nur auf das rabiate Gemetzel fokussiert. Eine grenzwertige, für Zartbesaitete denkbar ungeeignete Erfahrung.

Wertung: (6 / 10)

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